Zehn Gründe Chirurg zu werden

Mit einem Schmunzeln präsentierte Prof. Dr. med. Werner Hartwig vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) die zehn besten Gründe Chirurg zu werden. Doch was braucht es, um Chirurg zu werden? Auch darauf gab es bei seinem Operation Karriere-Vortrag eine Antwort.

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Warum Chirurgie? Auf diese Einstiegsfrage kann man mit einem in der Chirurgie oft zitiertem Artikel antworten. Die Liste nennt die Top-Ten Gründe, warum die Allgemeinchirurgie eine großartige Karriere ist:

  1. „Ich liebe es, zu schneiden“
  2. Patienten werden Ihr Leben verändern
  3. Sie werden das Leben von Patienten verändern
  4. Es gibt Spiritualität, wenn Sie das wollen
  5. Sie werden „Helden“ haben bzw. Sie werden ein „Held“ sein
  6. Chirurgen haben ihren eigenen Stil bzw. ihre eigene Vorgehensweise: Der chirurgische Charakter und die Kultur der Chirurgie
  7. Ihre Mutter wird stolz auf Sie sein
  8. Die Bezahlung ist nicht schlecht
  9. Jobsicherheit
  10. Das Training der operativen Fähigkeiten macht Spaß (Sie werden es nie vergessen) und das Training hört nie auf (frei übersetzt nach Thirlby RC, The top 10 reasons why general surgery is a great career. Arch Surg  2007;142: 423–429)

Dass Chirurgen dringend gebraucht werden, macht ein Blick in die Zukunft deutlich: 2020 werden die Hälfte der niedergelassenen und ein Drittel der angestellten Chirurgen in Rente gehen.

Warum macht Chirurgie glücklich?

In diesem Fachgebiet wird ein großes Spektrum geboten. Es reicht von kleinen bis großen Eingriffen (kleine Schnitte in der Laparoskopie vs. offene Chirurgie), von Indikationen wie Leistenbruch bis hin zur Lebertransplantation und zudem ist das technische Entwicklungspotenzial hoch (beispielsweise Roboterchirurgie).

Doch welche Anforderungen braucht es, um ein Chirurg zu werden?

Das verdeutlichte Hartwig an einer Stellenanzeige der LMU, die im Deutschen Ärzteblatt geschaltet wurde. Hier werden Attribute genannt wie "engagiert, strukturiert, effiziente Vorgehensweise mit Empathie und Persönlichkeit." Dies ergänzte Hartwig noch weiter mit den Schlüsselfaktoren: umfangreiches Fachwissen, Teamfähigkeit, Ausdauer, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit, operative Fähigkeiten und Geschicklichkeit. „Ein gutes Training und ein Test, ob man ein guter Chirurg wird“, sagte Hartwig wieder mit einem Lachen, seien „Videospiele auf der Wii“. Das Handling mit dem Controller habe doch schon sehr viel Ähnlichkeit mit der Handhabung der Geräte bei einer Laparoskopie.

Operation Karriere, 20.06.2015, München. „Chirurg werden? Kein Durchschnittsjob". Prof. Dr. med. Werner Hartwig, Leitender Oberarzt Campus Großhadern, Bereichsleitung Pankreaschirurgie, Leiter des Pankreaszentrums München, Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie, LMU - Klinikum der Universität München, München, Foto: koszivu/Fotolia.com

Fakten zur Weiterbildung Allgemeinchirurgie

Die Weiterbildungszeit in der Allgemeinchirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinchirurgie (davon sind bis zu 24 Monate in Allgemeinchirurgie und/oder anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie*, 12 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie sowie 12 Monate in Viszeralchirurgie möglich)

Werden im Gebiet Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens neun Jahre. 

Die Weiterbildung Allgemeine Chirurgie sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in folgenden Punkten vor:

  • der operativen und nicht-operativen Grund- und Notfallversorgung bei gefäß-, thorax-, unfall- und viszeralchirurgischen Erkrankungen (einschließlich der koloproktologischen Erkrankungen), Verletzungen, Fehlbildungen und Infektionen
  • der Indikationsstellung zur operativen und konservativen Behandlung einschließlich der Risikoeinschätzung und prognostischen Beurteilung
  • endoskopischen, laparoskopischen (minimal-invasiven) Operationsverfahren
  • instrumentellen und funktionellen Untersuchungsmethoden
  • und der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtung des Strahlenschutzes

  • Ultraschalluntersuchungen des Abdomens, Retroperitoneums, der Urogenitalorgane
  • große Wundversorgung bei Weichteilverletzungen
  • Deckung von Haut- und Weichteildefekten
  • Verbände, z.B. Kompressions-, Stütz-, Schienen- und fixierende Verbände
  • Repositionen von Frakturen und Luxationen
  • operative Eingriffe an Kopf/Hals und Brustwand einschließlich Thorakotomien und Thoraxdrainagen und an Bauchwand und Bauchhöhle, Stütz- und Bewegungssystem, Gefäß- und Nervensystem, einschließlich Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen und Exzisionen mittels konventioneller, endoskopischer und interventioneller Techniken

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