Notarztschein: Zusatz-Weiterbildung Nofallmedizin

Wer später als Notarzt Einsätze fahren möchte, benötigt den so genannten Notarztschein. Voraussetzung hierfür ist eine entsprechende Ärztliche Zusatz-Weiterbildung in der Notfallmedizin.

Rettungswagen

Wer später als Notarzt Einsätze fahren will, muss eine entsprechende Weiterbildung absolvieren. | Ssogras/Fotolia

Im Fachgebiet der Anästhesie sind Einsätze als Notarzt und damit der Erwerb der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin Pflicht. Aber auch viele Internisten, Allgemeinmediziner, Chirurgen oder Ärzte anderer Fachgebiete erwerben den Notarztschein. Dafür gibt es seitens der Mediziner verschiedene Motive – sei es aus Interesse an der Notfallmedizin, vor einer Einteilung auf die Intensivstation oder weil es in ländlichen Gegenden nicht selten an  Notärzten mangelt.

Voraussetzungen und Weiterbildungsordnung

Gemäß Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer werden benötigt:

·         24 Monate Weiterbildung in einem Gebiet der unmittelbaren, stationären Patientenversorgung

·         6 Monate Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensivmedizin oder in der Notfallaufnahme

·         80 Stunden Kurs-Weiterbildung in allgemeiner und spezieller Notfallmedizin ("Notarzt-Kurs")

·         50 Einsätze im Notarztwagen oder Rettungshubschrauber, unter Anleitung eines verantwortlichen Notarztes

Diese Regelungen gelten in den meisten Bundesländern. Einige Bundesländer haben davon abweichende Regelungen. Auskunft erteilt die jeweilige Landesärztekammer.

80 Stunden Notarztkurs

Der Notarztkurs ist eine 80-stündige Weiterbildung, die auch en bloc als einwöchige Fortbildung abgeleistet werden kann. Der Kurs kostet rund 1.000 Euro. Von manchen Kliniken werden diese Kosten übernommen oder es wird für die Kurswoche Sonderurlaub gewährt. Hier empfiehlt es sich, beim Arbeitgeber nachzufragen.

Im Notarztkurs werden unter anderem erweiterte kardiopulmonale Reanimation, Atemwegsmanagement, gynäkologische und pädiatrische Notfallsimulation, Planspiele zur Bewältigung von Großschadenslagen, technische Rettung aus Unfallfahrzeugen oder über einen Drehleiterkorb in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, Notfall-EKG-Diagnostik oder auch Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich Anlage zentralvenöser Zugänge und Thoraxdrainageunterrichtet unterrichtet.

Logbuch ist Pflicht

Über die erlernten Kompetenzen muss ein Logbuch geführt werden, das bei der Prüfungsanmeldung vorzulegen ist. Ein Blanko-Logbuch steht hier zum Download zur Verfügung:  Blanko-Logbuch zum Download

 

Skillstraining im Schockraum

Ein neues Lehrkonzept der Uni Mainz bereitet Studierende des Fachbereichs Universitätsmedizin auf die besonders schwierige Versorgung schwerstverletzter Patienten vor. Unter dem Namen „Praktisches Jahr – Trauma-Team“ wird es gegenwärtig als Pilotprojekt in das Studium integriert.

weiterlesen

 

Anmeldung bei der Landesärztekammer

Wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann die Anmeldung zur Prüfung bei der zuständigen Landesärztekammer erfolgen. Es erfolgt eine Terminvergabe und die Einladung zur Prüfung. Diese sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen: Die Lerninhalte sind umfangreich und die Prüfung gilt als anspruchsvoll. Mit ausreichend Vorbereitungszeit und gründlicher Vorbereitung ist aber auch diese Hürde zu überwinden. Es empfiehlt sich, zwischen Notarztkurs und Prüfung nicht zu viel Zeit vergehen zu lassen, sodass die praktische Anwendung noch präsent ist.

Perspektiven und Möglichkeiten

Die Tätigkeit als Notarzt ist meist an einen von deutschlandweit über 1000 Notarztstandorte gebunden. Diese sind meist an ein Krankenhaus angebunden und der Notarztdienst wird durch Ärzte des jeweiligen Krankenhauses besetzt. Alternativ dazu besteht die Möglichkeit auf freiberuflicher Basis als Notarzt zu arbeiten. Hier kann man im Rahmen einer Honorartätigkeit einzelne Dienste an verschiedenen Standorten übernehmen. Zudem gibt es Online-Notarztbörsen, die einen Überblick bezüglich der Nachfrage für Notärzte in bestimmten Regionen liefern.