Von Mensch zu Mensch statt von Arzt zu Patient

KARGER KOMPASS ONKOLOGIE startet mit der neuen Rubrik "OnkoCampus" speziell für junge Ärzte. Hier gibt es als Preview ein Interview mit Samy Molcho über die Bedeutung der Körpersprache und die Relevanz im Arzt-Patienten-Gespräch.

Samy Molcho

"Respektiere den Patienten zuerst als Mensch und verbessere die zwischenmenschliche Kommunikation." Samy Molcho | Peter M. Mayr

Samy Molcho zählt zu den bedeutendsten Pantomimen des 20. Jahrhunderts und hat die Kunst der Pantomime erstmals um rein psychologische und dramatische Elemente erweitert. Seit seinem 10. Lebensjahr ist Molcho mit der Kunst der Darstellung und Interpretation vertraut und nennt die Bühne sein Zuhause. Er studierte klassischen, modernen und fernöstlichen Tanz sowie die Technik der Pantomime in Israel und war seither in beiden Bereichen weltweit sehr aktiv. Das Bewusstsein für die Bedeutung von Körpersprache vermittelt er in entsprechenden Seminaren, die seit Jahrzehnten großen Zuspruch finden.

Sie sind einer der bedeutendsten Pantomimen des 20. Jahrhunderts, bieten aber jetzt Coachings zu Körpersprache für diverse Berufsgruppen an. Bitte skizzieren Sie die zentralen Motive Ihrer Arbeit.

Einer der wichtigsten Aspekte einer zwischenmenschlichen Interaktion, die es immer und überall gibt, sei es mit der Familie, in der Arbeit, oder zwischen Arzt und Patienten, ist der Informationsaustausch. Dabei ist nicht nur wichtig, was der Informationssender von sich gibt, sondern auch wie es auf den Empfänger wirkt und wie er es interpretiert. In der verbalen Kommunikation können wir mehr kontrollieren, was wir sagen und was wir nicht sagen wollen. Nicht so bei der Körpersprache. Oft senden wir durch unseren Körper und unsere Mimik unbewusste Informationen, die der Empfänger richtig oder falsch interpretieren kann – das kann die Kommunikation negativ beeinflussen. Durch das bewusste Einsetzen der Körpersprache erzielen wir eine höhere Wirkung und erwecken Vertrauen in unseren Gesprächspartnern. Es ist wichtig zwischen «wie wirke ich» und «was meine ich» zu unterscheiden. Die Wirkung von Signalen ist oft anders als gemeint.

Welche Rolle spielt Körpersprache in unserer Welt und welche Bedeutung hat Ihre Arbeit für die Gesellschaft im Allgemeinen?

Der Körper sendet ununterbrochen Informationen, ob wir wollen oder nicht. Unabhängig von gesellschaftlichen Spielregeln von Verhalten und Kommunikation werden innere Empfindungen, die nicht immer Hand in Hand mit diesen Spielregeln gehen, trotzdem gesendet. Sie besser zu verstehen und zu beherrschen, verbessert das zwischenmenschliche Verständnis und dient damit einem besseren und harmonischeren Zusammenleben in unserer Welt. Dazu verhilft uns auch die Kenntnis der Bedeutung von Signalen der Körpersprache in verschiedenen Kulturen und Nationen. So werden Missverständnisse vermieden und mehr Respekt anderen Kulturen gegenüber geschaffen.

Was ist bei der Körpersprache im Arzt-Patienten-Gespräch wichtig?

Auf der medizinischen Ebene gelten nur Symptome und Wissenschaft, dabei kommunizieren aber auch sowohl der Patient als Mensch als auch der Arzt als Mensch. Eine bessere Verständigung auf der zwischenmenschlichen Ebene hilft auch bei den medizinischen Diagnosen und Behandlungen.

Kann man bei der Körpersprache «Fehler» machen? Wenn ja, was wären Beispiele?

Fehler kann man nicht machen, man kann aber unbewusst negative Signale senden.

Beispiele:

  • Eine unzufriedene Miene wegen eines Schreibfehlers in der Akte, was der Patient aber auf sich/seine Diagnose bezieht
  • Dominante Befehl-Bewegung mit dem Zeigefinger von oben nach unten
  • Vermeidung von Blickkontakt während eines Diagnosegespräches
  • Den Blick auf den Bildschirm zu richten statt auf den Patienten ist eine Missachtung des Patienten, der sich nicht wahrgenommen fühlt.

Weitere Beispiele erfahren Sie in meinen Seminaren.

Worauf sollten vor allem praxisunerfahrene Ärzte achten?

Darauf sollten auch praxiserfahrene Ärzte achten: In der Kommunikation mit Patienten von Mensch zu Mensch und nicht von Arzt zu Patient agieren. Kenntnisse der Körpersprache dienen zur Verbesserung dieser Beziehung.

Gibt es einen grundlegenden Rat, den Sie jungen Ärzten mitgeben können?

Respektiere den Patienten zuerst als Mensch und verbessere die zwischenmenschliche Kommunikation, denn dadurch entstehen Sympathien, die helfen das Vertrauen zwischen Arzt und Patienten zu fördern, was sich im Endeffekt positiv auf die Genesung des Patienten auswirkt.

Prof. Molcho, vielen Dank für das Interview!

Kontaktadresse: Joram Harel Management, Colloredogasse 32, A - 1180 Wien, office@harel.at, www.samy-molcho.at.

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OnkoCampus

KARGER KOMPASS Onkologie stellt erstmals den «OnkoCampus» vor – eine Rubrik, die dezidiert den Belangen junger Fachärzte und Weiterbildungsassistenten gewidmet ist. Daher soll es in «OnkoCampus» um Themen gehen, die für den Nachwuchs in der Onkologie von besonderem Interesse sind. Das werden onkologische, aber auch berufspolitische Inhalte sein.