Überblick: Weiterbildung Urologie

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheidet, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Urologie.

Arzt

Von den in Deutschland tätigen Urologen sind etwas mehr als die Hälfte als niedergelassene Praxisärzte in der ambulanten urologischen Primärversorgung tätig. | infinity - fotolia

Am häufigsten behandeln Urologen Erkrankungen, die mit den Harnsteinen in Zusammenhang stehen. Das können Infektionen der Harnwege sein, bösartige Tumore von Niere, Blase, Hoden, Penis und Prostata, eine altersbedingte gutartige Prostatavergrößerung, die Inkontinenz bei Mann und Frau, eine Funktionsstörungen der männlichen Sexualorgane wie Impotenz und vieles mehr. Da angeborene Fehlbildungen im Harn- und Genitaltrakt häufig sind, ist die operative Behandlung von Kindern ein wichtiges Teilgebiet. Auch die Männergesundheit ist ein bedeutendes Thema geworden, dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass das Prostatakarzinom heute in Deutschland der häufigste bösartige Tumor geworden ist, an dem Männer erkranken. Die Teilgebiete Andrologie (Männergesundheit) und medikamentöse Tumortherapie (Chemotherapie bei Krebserkrankungen) sind durch speziell ausgewiesene Zusatzqualifikationen im Fach Urologie vertreten.

Von den in Deutschland tätigen Urologen/Urologinnen sind etwas mehr als die Hälfte als niedergelassene Praxisärzte in der ambulanten urologischen Primärversorgung tätig, ein Teil davon auch als Belegärzte mit teilzeitlicher operativer Tätigkeit an Belegkliniken. Über 40 Prozent der Urologen sind als angestellte Krankenhausärzte tätig, in diesem Prozentsatz enthalten sind auch die Ärzte in Weiterbildung zum Urologen, die sich später zum Teil in eine Praxistätigkeit begeben werden.

Ziel der Weiterbildung im Gebiet Urologie ist die Erlangung der Facharztkompetenz nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und Weiterbildungsinhalte.

Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildung wird an einer Weiterbildungsstätte absolviert, wo ein Weiterbildungsbefugter zuständig ist. Hier können

  • bis zu 12 Monate in der stationären Patientenversorgung im Gebiet Chirurgie
  • 6 Monate in einem anderen Gebiet
  • bis zu 12 Monate im ambulanten Bereich

abgeleistet/angerechnet werden.

Die Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung in der Urologie sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • der Vorbeugung, Erkennung, Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Erkrankungen, Infektionen, Verletzungen und Fehlbildungen des männlichen Urogenitalsystems und der weiblichen Harnorgane sowie Notfallversorgung
  • der Vorbeugung, (Früh-)Erkennung, Behandlung und Nachsorge von urologischen Tumorerkrankungen
  • den Grundlagen der gebietsbezogenen Tumortherapie einschließlich der Indikationsstellung zur urologischen Strahlentherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • den umwelthygienischen Aspekten der Entstehung urologischer Tumore
  • der Erkennung und Behandlung der erektilen Dysfunktion einschließlich der Erkennung andrologischer Störungen und Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung
  • der Familienplanung und Sexualberatung des Mannes und des Paares
  • der Sterilisation und (Re-)Fertilisierung des Mannes
  • der Erkennung und Behandlung gebietsbezogener endokrin bedingter Alterungsprozesse
  • der Erkennung proktologischer Erkrankungen und der Indikationsstellung zur weiterführenden Behandlung
  • der Ernährungsberatung und Diätetik bei urologischen Erkrankungen
  • der Indikationsstellung zur operativen Behandlung und der Risikoeinschätzung und prognostischen Beurteilung einschließlich der Nierentransplantation
  • den Prinzipien der perioperativen Diagnostik und Behandlung
  • endoskopischen und minimal-invasiven Operationsverfahren
  • der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtigung des Strahlenschutzes
  • instrumentellen und funktionellen Untersuchungsmethoden einschließlich urodynamischer Verfahren
  • psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen einschließlich den Grundlagen zytodiagnostischer Verfahren sowie Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild
  • Wundversorgung, Wundbehandlung und Verbandslehre
  • der gebietsbezogenen Arzneimitteltherapie
  • der Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung
  • der Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen
  • der Indikationsstellung zur Isotopendiagnostik

Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind

  • urologische Früherkennungsuntersuchungen
  • Ejakulatuntersuchungen
  • kulturelle bakteriologische und mykologische Untersuchung im Nativmaterial (Urin, Prostatasekret, Ejakulat) unter Verwendung eines Trägers mit einem oder mehreren vorgefertigten Nährböden (z. B. Eintauchnährböden)
  • Keimzahlschätzung
  • Nachweis antimikrobieller Wirkstoffe mittels Hemmstofftest
  • Ultraschalluntersuchungen der Urogenitalorgane, des Retroperitoneums und Abdomens einschließlich Doppler-/Duplex-Sonographien der Gefäße des Urogenitaltraktes
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich suprapubischer Zystostomie, Harnleiterschienung und Legen von Drainagen sowie der Gewinnung von Untersuchungsmaterial
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung einschließlich Sondentechnik
  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • urodynamische Untersuchungen einschließlich Provokationstests und Uroflowmetrie
  • extrakorporale Stoßwellenbehandlung
  • urologische Eingriffe einschließlich endoskopischer, laparoskopischer, lasertherapeutischer, ultraschallgesteuerter und sonstiger physikalischer Verfahren, an Niere, Harnleiter, Retroperitonealraum, z. B. Nephrektomie, Ureteroskopie, Nierenbeckenplastik, an Harnblase und Prostata, z. B. Harn-Inkontinenzoperation, Prostataadenomektomie einschließlich transurethraler Prostata- und/oder Blasentumoroperationen, am äußeren Genitale und Harnröhre z. B. Hodenbiopsie, Zirkumzision, Orchidopexie, Varikozelen/Hydrozelen-Operation, Urethrotomie
  • Mitwirkung bei operativen Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade, z. B. Radikaloperation bei urologischen Krebserkrankungen

Quellen: Die Seite der Deutschen Urologie (www.urologenportal.de), Grußwort des Generalsekretärs Prof. Oliver Hakenberg und Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2013

Allgemeinarzt in Praxis

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