Überblick: Weiterbildung Neurochirurgie

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheidet, gibt es viele Möglichkeiten der Spezialisierung. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Neurochirurgie.

Gehirn

Überblick Weiterbildung in der Neurochirurgie | Pixabay

Die Neurochirurgie befasst sich mit der Therapie von Erkrankungen, die entweder direkt oder indirekt mit dem Gehirn bzw. dem zentralen Nervensystem zusammenhängen. Zu der Neurochirurgie zählen unter anderem folgende Erkrankungen und Therapiemaßnahmen:

  • die aneurysmatische Subarachnoidalblutung, eine Blutung aus den großen arteriellen Gefäßen der Hirnbasis in den Subarachnoidalraum
  • degenerative Halswirbelsäulenerkrankungen, die häufig bei älteren Menschen vorkommen
  • die elektrophysiologische Überwachung einzelner Hirnfunktionen während einer neurochirurgischen Operation, um postoperative neurologische Ausfälle zu vermeiden
  • der interkranielle Druck, auch Hirndruck genannt. Dieser herrscht im Schädelinneren einschließlich der Liquorräume. Wird das Gehirn durch Verletzung (z. B. Schädel-Hirn-Trauma) oder eine Blutung geschädigt, reagiert es in typischer Art und Weise: Es schwillt, weil sein Wassergehalt zunimmt, es entsteht ein Hirnödem (Hirnschwellung)
  • interkranielle Gliome, das sind primäre Tumoren des Zentralnervensystems
  • Meningeome, die von der Spinngewebshaut (Arachnoidea) ausgehen. Diese überzieht das Gehirn unterhalb der harten Hirnhaut. Meistens sind diese Tumoren gutartig und wachsen langsam
  • Schädel-Hirn-Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma [SHT])
  • die Trigeminusneuralgie, die durch kurze heftigste Schmerzattacken in einen oder mehreren Ästen des fünften Hirnnerven (Nervus Trigeminus), mit Ausstrahlung in den Gesichtsbereich, gekennzeichnet ist.

Sieben verschiedene Forschungs- und Reisestipendien

Um den Nachwuchs zu fördern, vergibt die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) sieben verschiedene Forschungs- und Reisestipendien. Wer gerne einmal drei Monate im Ausland neue OP-Techniken kennen lernen möchte, kann sich bei der Wilhelm-Tönnis-Stiftung bewerben, die jährlich 10 000 Euro für derartige Zwecke auslobt.

Um ein Forschungsprojekt zu finanzieren, unterstützt die Stiftung Neurochirurgische Forschung junge Forscher ebenfalls mit 10 000 Euro.

Fünf weitere Industrie-gesponserte Förderungen sowie der Traugott-Riechert-Preis (mit speziellem Fokus auf stereotaktische Projekte) unterstützen die Nachwuchs-Neurologen zudem jährlich bzw. zweijährlich mit einem Forschungsbeitrag von jeweils 5000 Euro.

Ziel der Weiterbildung im Gebiet Neurochirurgie ist die Erlangung der Facharztkompetenz nach Ableistung der vorgeschriebenen Weiterbildungszeit und der Weiterbildungsinhalte.

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Neurochirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte gemäß §5 Abs. 1 Satz 1, davon

  • 48 Monate in der stationären Patientenversorgung
  • 6 Monate in der intesivmedizinischen Versorgung neurochirurgischer Patienten.
  • bis zu 12 Monate können im Gebiet Chirurgie und /oder in Neurologie, Neuropathologie und/oder Neuroradiologie oder 6 Monate in Anästhesiologie, Anatomie, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kinder- und Jugendmedizin oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie angerechnet werden.

Allgemeinarzt in Praxis

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Allgemeinmedizin.

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Der Inhalt der Weiterbildung

Die Weiterbildung in der Neurochirurgie sieht den Erwerb von folgenden Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten vor:

  • der Erkennung, konservativen, operativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Krankheiten einschließlich Tumoren des Schädels, des Gehirns, der Wirbelsäule, des Rückenmarks, deren Gefäße und zuführenden Gefäße, der peripheren Nerven, des vegetativen Nervensystems und des endokrinen Systems
  • der Erkennung, operativen Behandlung und Nachsorge neuroonkologischer Erkrankungen einschließlich den Grundlagen der gebietsbezogenen Tumortherapie
  • der Betreuung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtigung des Strahlenschutzes
  • psychogenen Symptomen, somatopsychischen Reaktionen und psychosozialen Zusammenhängen
  • der Erkennung und Behandlung von Schmerzsyndromen
  • der Erkennung psychogener Syndrome
  • der interdisziplinären Zusammenarbeit, z. B. bei radiochirurgischen Behandlungen
  • der Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und Wiederbelebung
  • der Hirntoddiagnostik einschließlich der Organisation von Organspende
  • der gebietsbezogenen Arzneimitteltherapie
  • der Indikationsstellung, sachgerechten Probengewinnung und -behandlung für Laboruntersuchungen und Einordnung der Ergebnisse in das jeweilige Krankheitsbild
  • der Indikationsstellung und Überwachung physikalischer, ergotherapeutischer und logopädischer Therapiemaßnahmen
  • der intensivmedizinischen Basisversorgung.

Dies sind die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren: 

  • neurophysiologische Untersuchungen, z. B. Elektroenzephalogramm einschließlich evozierten Potenzialen, Elektromyogramm
  • sonographische Untersuchungen und Doppler-/Duplex-Untersuchungen extrakranieller hirnversorgender und intrakranieller Gefäße
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Punktions- und Katheterisierungstechniken einschließlich der Gewinnung von Untersuchungsmaterial
  • einfache Beatmungstechniken einschließlich der Beatmungsentwöhnung
  • Lokal- und Regionalanästhesie
  • neurochirurgische Eingriffe einschließlich minimalinvasiver, stereotaktischer und endoskopischer Methodik, auch unter Anwendung der Neuronavigation an peripheren und vegetativen Nerven, z. B. Verlagerung, Naht, Neurolyse, Tumorentfernung, an der zervikalen, thorakalen und lumbalen Wirbelsäule, z. B. Nervenwurzel-, Rückenmarksdekompression, Versorgung von Wirbelsäulenverletzungen, bei Schädel-Hirn-Verletzungen, z. B. von intra- und extraduralen Hämatomen, Liquorfisteln, Impressionsfrakturen, bei supra- und infratentoriellen intrazerebralen Prozessen, z. B. Tumor-Operationen, bei Schädel-, Hirn- und spinalen Fehlbildungen, z. B. Liquorableitungen, Operationen bei Spaltmissbildungen, bei Schmerzsyndromen, z. B. augmentative, destruierende, Implantations-Verfahren, bei diagnostischen Eingriffen, z. B. Myelographie, lumbale und ventrikuläre Liquordrainage mit und ohne Druckmessung, Biopsien, bei sonstigen chirurgischen Maßnahmen, z. B. Eingriffe an extrakraniellen Gefäßen, Tracheotomien.

Quellen: Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie, www.dgnc.de, Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 2013.

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.