Überblick: Weiterbildung Allgemeinchirurgie

In diesem Artikel stellen wir die Weiterbildungsmodalitäten in der Allgemeinchirurgie vor. Welche Fertigkeiten werden erlernt, wie lange dauert die Spezialisierung und welche Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind Gegenstand der Weiterbildung?

Symbolfoto | Tomasz Zajda/Fotolia.com

Die Haupteinsatzgebiete des Allgemeinchirurgs sind die operative und nicht-operative Grund- und Regelversorgung. Der Allgemeinchirurg bringt alle Kenntnisse und Fähigkeiten mit, um der ideale chirurgische Primärarzt im Krankenhaus zu sein – dazu zählt sein breites Wissen in Unfall-, Viszeral- und Gefäßchirurgie.

In der chirurgischen Ambulanz stellt der Allgemeinchirurg das Bindeglied zu den Spezialisten der anderen chirurgischen Bereiche dar. Er ist auch in die Notfallversorgung bei gefäß-, thorax-, unfall- und viszeralchirurgischen Erkrankungen, Verletzungen und Infektionen im Einsatz. Da ein Facharzt für Allgemeine Chirurgie in einem verkürzten Verfahren eine zweite chirurgische Facharztqualifikation erwerben kann, ist er auch in der chirurgischen Spezialklinik einsetzbar – er hat das breiteste Spektrum im Gebiet Chirurgie. Ein weiteres interessantes Einsatzgebiet sind Entwicklungsländer und Krisengebiete.

Auf der Homepage des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) erklären Ärzte, warum sie sich für ihr Fachgebiet entschieden haben. Hier geht es zur Allgemeinchirurgie.

Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Allgemeinchirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinchirurgie (davon sind bis zu 24 Monate in Allgemeinchirurgie und/oder anderen Facharztweiterbildungen des Gebietes Chirurgie*, 12 Monate in Orthopädie und Unfallchirurgie sowie 12 Monate in Viszeralchirurgie möglich)

Werden im Gebiet Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens neun Jahre.

Die Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung Allgemeine Chirurgie sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • der operativen und nicht-operativen Grund- und Notfallversorgung bei gefäß-, thorax-, unfall- und viszeralchirurgischen Erkrankungen (einschließlich der koloproktologischen Erkrankungen), Verletzungen, Fehlbildungen und Infektionen
  • der Indikationsstellung zur operativen und konservativen Behandlung einschließlich der Risikoeinschätzung und prognostischen Beurteilung
  • endoskopischen, laparoskopischen (minimal-invasiven) Operationsverfahren
  • instrumentellen und funktionellen Untersuchungsmethoden
  • und der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtung des Strahlenschutzes

vor.

Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind

  • Ultraschalluntersuchungen des Abdomens, Retroperitoneums, der Urogenitalorgane
  • große Wundversorgung bei Weichteilverletzungen
  • Deckung von Haut- und Weichteildefekten
  • Verbände, z.B. Kompressions-, Stütz-, Schienen- und fixierende Verbände
  • Repositionen von Frakturen und Luxationen
  • operative Eingriffe an Kopf/Hals und Brustwand einschließlich Thorakotomien und Thoraxdrainagen und an Bauchwand und Bauchhöhle, Stütz- und Bewegungssystem, Gefäß- und Nervensystem, einschließlich Resektionen, Übernähungen, Exstirpationen und Exzisionen mittels konventioneller, endoskopischer und interventioneller Techniken**

* Davon können bis zu 12 Monate in Anästhesiologie, Anatomie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Innere Medizin und Gastroenterologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Pathologie und/oder Urologie abgeleistet/angerechnet und bis zu 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.

** z.B. Lymphknotenexstirpation, Port-Implantation, Entfernung von Weichteilgeschwülsten, Schilddrüsen-Resektion, explorative Laparotomie, Thorakotomie, Thoraxdrainage, Magen-, Dünndarm- und Dickdarm-Resektion, Notversorgung von Leber- und Milzverletzungen, Cholecystektomie, Appendektomie, Anus praeter-Anlage, Herniotomien, Hämorrhoidektomie, periproktitische Abzessspaltung, Fistel- und Fissur-Versorgung, Osteosynthesen, Implantatentfernung, Exostosenabtragung, Amputationen, Varizenoperationen, Thrombektomie, Embolektomie, Tracheotomie, Mitwirkung bei Eingriffen höherer Schwierigkeitsgrade.

Quellen: Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), www.chirurg-werden.de und Musterweiterbildungsordnung 2015 der Bundesärztekammer

Karrierewege in der Chirurgie

Engere Verzahnung der Weiterbildungsstätten sowie die größere Durchlässigkeit unseres Berufsbildes erlaubt heutzutage einen leichteren Wechsel. In der Tat hat nicht jeder habilitierte Chirurg moderner Prägung seine Zeit der Weiterbildung ausschließlich in der Universität verbracht und einige Chirurgen haben sich vor ihrer Tätigkeit im ambulanten Bereich in der Wissenschaft verdient gemacht.

Eine Vielzahl von Kliniken haben in den letzten Jahren Weiterbildungscurricula etabliert, die vor allem durch ein Rotationsprinzip in den verschiedenen Funktionsbereichen eine breite chirurgische Weiterbildung ermöglichen.

Möchte man eher eine klinisch-wissenschaftliche Karriere einschlagen, so bieten natürlich vor allem die Universitätskliniken die besten Voraussetzungen für den akademischen Karriereweg. Hier sollte bereits in frühen Weiterbildungsjahren durch erste experimentelle/klinische Projekte die Basis für eine wissenschaftliche Karriere gelegt werden, die als Ziel die Habilitation beinhalten sollte.

Im Gegensatz zur klinisch-wissenschaftlichen Karriere, steht bei der rein wissenschaftlichen Laufbahn die Forschungsarbeit im Mittelpunkt. Hier bieten die Universitätskliniken die besten Voraussetzungen, um eine solche Karriere voranzutreiben. Als langfristiges Ziel ist eine leitende Funktion in einem renommierten Institut für klinisch-experimentelle Chirurgie zu sehen, wie z. B. am Universitätsklinikum Rostock oder des Saarlands.

Bei vielen Ärzten entsteht über die Jahre der Weiterbildung der Wunsch nach mehr beruflicher Eigenständigkeit. Als echte Alternative besteht die Möglichkeit der chirurgischen Tätigkeit im ambulanten/niedergelassenen Bereich. Als Optionen im ambulanten Bereich besteht die Möglichkeit der Einzelpraxis, der Praxis- oder Berufsausübungsgemeinschaft oder der angestellten Tätigkeit in einem medizinischen Versorgungszentrum.

Finden Sie hier Informationen, Interviews, News und Videobeiträge rund um das Facharztgebiet Chirurgie und ihre unterschiedlichen Fachrichtungen.

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten finden Sie hier.