Teil 1: Arzt in Weiterbildung – der Arbeitsvertrag als Krankenhausarzt

Welche Pflichten man als Arzt in Weiterbildung hat, aber auch welche Rechte man besitzt, das alles steht im Arbeitsvertrag. Es ist nicht erforderlich sich bei der Prüfung des Vertrags in die juristischen Untiefen des Arbeitsrechts zu begeben, aber es empfiehlt sich, einige mögliche Schwachstellen zu kennen.

Vertragsunterschrift

Eine Vertragsunterschrift sollte gut überlegt sein | Aikon/Fotolia

Da wäre zunächst die Zeit: Wenn der Arbeitgeber dem potenziellen neuen Mitarbeiter den Vertrag wenige Tage vor Dienstbeginn übergibt, bleibt oft nicht genug Zeit für eine genaue Analyse. So hat man als Mitglied einer Ärztevereinigung, wie zum Beispiel dem Marburger Bund, die Möglichkeit den Vertrag kostenlos vom Rechtsanwalt prüfen zu lassen. Untragbar ist es, wenn der zukünftige Arbeitgeber dem Bewerber den Vertrag erst am ersten Arbeittag vorlegt. Änderungen und Ergänzen können dann nicht mehr vorgenommen werden, es sei denn, man tritt den ersten Arbeitstag nicht an und verschiebt den Tag des Eintritts. Das würde auf beiden Seiten bereits zu Beginn für Frust sorgen. Deshalb empfiehlt es sich, den Arbeitgeber bei einer mündlichen Einigung darum zu bitten, einem das Arbeitspapier mehrere Wochen vor dem ersten Arbeitstag zuzuschicken. 

Befristung kontrollieren

Wenn man im öffentlichen Sektor beschäftigt ist, basieren die Arbeitsverträge fast immer auf Tarifverträgen. Ist eine solche tarifliche Einordnung der Fall, wird dies auf der ersten Seite des Arbeitsvertrags erwähnt. Als angestellter Arzt kann man sich dann sicher sein, dass ein Berufsverband bei der Aushandlung der vertraglichen Modalitäten beteiligt war, es also keine groben Fehler mehr gibt. Zu beachten ist dennoch, dass die Befristung im Vertrag richtig angegeben ist. Grundsätzlich darf die Befristung den Zeitraum nicht unterschreiten, für den der Arbeitgeber weiterbildungsbefugt ist. Läuft der Vertrag beispielsweise bis zum 31. Januar 2020, während der weiterbildende Arzt eine Weiterbildungsbefugnis bis zum 31. Juli 2021 besitzt, so ist die Befristung ungültig. 

Außerdem sollte aus dem Arbeitsvertrag hervorgehen, dass man als Arzt in Weiterbildung in einer bestimmten Fachrichtung angestellt ist. Wenn keine genaue Tätigkeitsbeschreibung formuliert wird, kann es passieren, dass man bei Personalmangel in abweichenden Fachbereichen eingesetzt wird.

Arbeitszeit festlegen

Maximal darf die wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden betragen. Der Gesetzgeber geht von einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden aus und rechnet den Samstag als Werktag hinzu. Da Bereitschaftsdienste aber 24 Stunden betragen und man mit zwei solcher Dienste bereits die 48-Stunden-Grenze geknackt hat, legen Arbeitgeber oft die sog. Opt/Out-Regelung zur Unterschrift vor. Mit dieser Regelung erklärt man sich einverstanden, im Bedarfsfall mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Die Mehrarbeit wird vergütet und normalerweise unterschreiben angehende Ärzte diese Erklärung. Man kann die Vereinbarung mit einer Frist von sechs Monaten kündigen, wenn sich im Klinikalltag abzeichnet, dass die Personalsituation untragbar ist. Daher geht man mit einer Unterschrift ein nicht allzu großes Risiko ein. Grundsätzlich ist Ärzten hier übrigens ein nicht zu unterschätzendes arbeitspolitisches Instrument an die Hand gegeben, denn wenn zum Beispiel alle Ärzte einer Fachabteilung die Opt/Out Regelung widerrufen, ist der Arbeitgeber darauf angewiesen, weitere Ärzte einzustellen. 

Mehr Informationen zum Berufseinstieg als Arzt gibt es hier: OPERATION KARRIERE KONGRESS BOCHUM