Studie: Der Blick von Jungmedizinern auf die eigene Generation

Was denken Fachärzte und Ärzte in Weiterbildung der Generation Y über die Qualität der Weiterbildung? Und wie ist die Sichtweise auf die eigene Generation? Diesen Fragen ging die Landesärztekammer Hessen in einer Studie nach.

Ärzte in Weiterbildung der Generation Y

Aufgaben und Ziele im Rahmen der Weiterbildung sollten klar definiert sein, das wünscht sich die Generation Y. | Kzenon/Fotolia

Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen, die ärztliche Weiterbildung zu evaluieren. Eine strukturierte Weiterbildung bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Facharztlaufbahn. Die Landesärztekammer Hessen (LÄKH) hat daher eine Befragung von Jungmedizinern zur Weiterbildungssituation an ihrem Arbeitsort vorgenommen. Doch nicht nur eine Evaluation der Weiterbildungsqualität war das Ziel der Studie, ferner ging es darum, die Sichtweise der jungen Ärzte über ihre eigene Generation – die sogenannte Generation Y – abzufragen und ihre Bedürfnisse und Wünsche hinsichtlich der Weiterbildung zu beleuchten.

Die Generation Y, zu der die Jahrgänge um das Jahr 1980 gehören, wird in der Literatur mit den Adjektiven selbstbewusst, flexibel, ergebnisorientiert, dabei jedoch nicht kritikfähig, orientierungslos und sprunghaft beschrieben. Des Weiteren seien ihre Ansprüche an den Arbeitgeber sehr hoch. Da in Hessen bisher kaum Studien zur Weiterbildungssituation von Ärzten der Generation Y vorliegen und bis dato keine Evaluation zur Sichtweise auf die eigene Generation durchgeführt wurde, setzte die LÄKH den Fokus ihrer aktuellen Studie auf die Perspektiven des befragten fachärztlichen Nachwuchses der Generation Y.

Wie beschreibt die Generation Y sich selbst?

Jedem Studienteilnehmer war der Begriff „Generation Y“ bekannt. Anhand der Frage „Wie würden Sie die Generation Y beschreiben?“ ließen sich aus allen Antworten folgende Eigenschaften ableiten: fordernd, mutig und selbstbewusst, Ablehnung von strengen Hierarchien, Opferbereitschaft nicht mehr so stark ausgeprägt, hohe Bedeutung der Work-Life-Balance. Zwei Zitate spiegeln das Empfinden dieser Generation prägnant wider:

„Mein 45-jähriger Kollege wundert sich immer wieder, was wir so für Ansichten haben. Dass wir so mutig sind und einfach sagen: ‚Dann gehe ich halt‘. Er gehört zur Generation, wo man noch den AiP (Arzt im Praktikum) gemacht hat. Früher hat man viel mehr akzeptiert, das passiert heute nicht mehr.“
Ärztin in Weiterbildung Urologie

„Der Begriff ,Work-Life-Balance´ steht nicht nur dafür, viel Freizeit zu haben, sondern auch für den Arbeitsinhalt. Die Arbeit soll Spaß machen, soll einen weiter bringen, man will etwas lernen. Die Arbeit muss ausgewogen sein, und dies bedeutet sicher nicht, zwölf Stunden Arztbriefe zu schreiben.“
Arzt in Weiterbildung Allgemeinchirurgie

Was hat Einfluss auf das Verhalten der Generation Y?

Die Befragung ergab, dass sowohl berufsspezifische als auch gesellschaftliche Faktoren auf das Verhalten der Generation Y Einfluss nehmen. Dazu gehören die aktuelle Arbeitslage, eine hohe Arbeitsbelastung und die Feminisierung der Medizin. Die jungen Ärzte setzen sich anscheinend persönliche Grenzen, um sich vor einer Überlastung zu schützen, nach dem Credo: Nur wer ausgeruht ist, ist voll einsatzbereit. Dies zeigt auch das Zitat einer jungen Allgemeinmedizinerin:

„Ich finde es unglaublich wichtig, dass man Spaß an seiner Arbeit hat. Aber es muss auch irgendwann Schluss sein. Ein Arzt kann nur wirklich gute Arbeit leisten, wenn er genügend Zeit hat, um sich zu regenerieren. Ein Arzt, der ständig überarbeitet ist, macht Fehler. Es ist wichtig, hier Grenzen zu setzen.“
Fachärztin der Allgemeinmedizin seit 2012, in einer Einzelpraxis tätig

Wie muss die Weiterbildungssituation der Generation Y angepasst werden, um diese weiter zu optimieren?

Fast allen Befragten ist es wichtig, dass Aufgaben und Ziele im Rahmen ihrer Weiterbildung klar definiert und Versprechen bzw. Vereinbarungen eingehalten werden. Idealerweise sollte die Zusammenarbeit auf Augenhöhe erfolgen. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Studienteilnehmer nennen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als wichtigen Faktor für ihre Zufriedenheit. Außerdem erwarten die Jungmediziner regelmäßiges Feedback von der Führungsebene und fordert dies auch ein:

„Feedback ist uns heute wichtig. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Regelmäßig sollten diese Gespräche stattfinden, sonst weiß man ja gar nicht, woran man ist. Unklarheit ist furchtbar. Ich bitte meinen Betreuer hin und wieder um Feedback.“
Ärztin in Weiterbildung Gynäkologie

Fazit

Die LÄKH leitet aus der Studie Handlungsoptionen ab, welche dabei helfen können, potenzielle Spannungen zwischen den Generationen abzuschwächen oder zu vermeiden:

  • Von der anderen Generation lernen und profitieren, denn unterschiedliche Erfahrungen können eine größere Bandbreite an Wissen ermöglichen
  • Nutzung von Mentoring-Möglichkeiten zwischen erfahrenen und jüngeren Kollegen
  • Einhaltung regelmäßiger Feedbackgespräche und gemeinsame Zielsetzungen
  • Flexible Arbeitszeiten für Männer und Frauen
  • Noch bessere Vereinbarkeit des Arztberufs mit dem Privatleben bzw. der Familie

Die gesamte Auswertung der Studie ist im Hessischen Ärzteblatt, Ausgabe 2/2016 erschienen und kann hier online nachgelesen werden.

Quelle: Ärztlicher Nachwuchs blickt auf die eigene Generation - Eine qualitative Studie der Landesärztekammer Hessen. Iris Bruchhäuser, Maren Grikscheit, Silke Nahlinger, Nina Walter. Hessisches Ärzteblatt 2/2016