Polnische Assistenzärzte weiter im Hungerstreik

Seit drei Wochen hungern rund 20 Ärzte eines Warschauer Kinderkrankenhauses für bessere Arbeitsbedingungen. Der Grund für den Streik ist das extrem unterfinanzierte Gesundheitssystem. Mehrere Ärzte sollen an den Folgen von Überarbeitung gestorben sein.

Streik

Nur circa 5 Prozent vom BIP wird in Polen für das Gesundheitswesen ausgegeben. | Pexels

Ein junger, polnischer Krankenhausarzt verdient netto circa 2.200 Zloty im Monat, das sind circa 500 Euro. Das ist in vielen polnischen Städten, in denen die Mieten und Lebensmittelpreise nicht viel günstiger sind als in Deutschland, zu wenig, um über die Runden zu kommen. Will man als Ärztin oder Arzt mehr verdienen, muss man zusätzliche Schichten übernehmen. Für viele ist das eine Belastungsprobe. Mehrere Ärzte hätten dem Stress nicht mehr standhalten können, heißt es. Sie seien an Überlastung gestorben. 

Seit 2009 gab es für die jungen Ärzte keine Gehaltserhöhung mehr. Gleichzeitig ist ihre medizinische Ausbildung auf einem hohen europäischen Niveau. Diese Kombination ist schädlich für das polnische Gesundheitssystem, denn finanzstärkere Länder wie Deutschland, Schweden oder die Schweiz locken den polnischen medizinischen Nachwuchs mit besser bezahlten Jobs. Schon jetzt gibt es in Polen pro Einwohner gesehen so wenig Mediziner wie in keinem anderen EU-Land. Umfragen zufolge denkt jeder dritte junge Arzt in Polen darüber nach, auszuwandern. 

Zu wenig Geld für das Gesundheitswesen

Großzügig hat die neue Regierung um Beata Szydlo nach dem Wahlsieg im Jahr 2015 in die Familien- und Rentenkasse eingezahlt. Das Gesundheitswesen hat sie dabei vergessen. 4,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts fließen derzeit in das polnische Gesundheitssystem. In Deutschland werden 11,3 Prozent des Bruttoinlandproduktes für Gesundheitsausgaben aufgewendet. Mehr als doppelt so viel. 

Der Marburger Bund (MB) und der Weltärztebund (WMA) haben sich inzwischen mit den polnischen Ärzten solidarisiert. „Die Tatsache, dass polnische Ärzte in den Hungerstreik treten müssen und ihre eigene Gesundheit gefährden, um auf ihre berechtigten Forderungen aufmerksam zu machen, zeigt eindringlich, wie schwierig ihre Situation geworden ist. Grundvoraussetzungen für ein leistungsfähiges Gesundheitssystem sind gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten“, erklärte Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes. „Wir fordern die polnische Regierung auf, die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen, denn Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht“.