PJ-Blog: Meine Patienten

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 51: "Meine Patienten".

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

gerade habe ich wieder die nichtssagende Frühbesprechung überlebt und befinde mich auf dem Weg zur Notaufnahme. Mittlerweile mache ich mich schon - das glaube ich zumindest - ganz gut bei der Patientenaufnahme. Ich darf zunehmend mehr alleine machen bzw. die Patienten eigenständig aufnehmen. Zuerst eine ältere Dame mit einer starken Trigeminusneuralgie. Für mich ist es sehr eindrücklich, dass sie schon bei leichtem Pusten auf die linke Gesichtshälfte Schmerzen hat.

Der Nächste kommt zur elektiven Aufnahme. Anscheinend ist es in Horloch so geregelt, dass alle Patienten mit einem Termin für die Station sich extra über die Notaufnahme vorstellen lassen müssen und nicht gleich auf die entsprechende Station gehen können. Ich nehme an, dass das Krankenhaus dadurch einfach mehr Gewinn macht. Einen anderen Grund für diesen doch sehr aufwendigen Schritt sehe ich nicht wirklich, vielleicht gibt es aber dennoch einen. Er hatte eine primär progrediente MS. Sein Gangbild wurde in letzter Zeit immer schlechter, aber er hatte gleichzeitig auch noch eine Skoliose mit Plattenverschraubungen von anno dazumal. Daher traut sich niemand eine Lumbalpunktion zu machen und man hat sich eher schlecht als recht auf die Behelfsdiagnose MS geeinigt (das MRT geht wegen der Metallplatten im Rücken schon mal nicht – ob er also wirklich MS hat, bei der sich nur sein Gangbild verschlechtert oder das vielleicht doch an den Metallplatten im Rücken liegen könnte, ist sehr fraglich). Kortison hilft ihm nämlich auch nicht wirklich. Aber naja, Diagnosen zu überdenken ist in Horloch anscheinend eher nicht so angesagt. Auf jeden Fall wird er jetzt stationär aufgenommen und bekommt eine Kortisonstoßtherapie alle 3 Monate (was in den bisherigen 2 Jahren allerdings ohne Effekt war, naja, vielleicht Placebo).

Und eine weitere Erkenntnis vom heutigen Tage: Radiologen arbeiten am Freitag grundsätzlich nur bis 14:00 Uhr, haben dann Feierabend, fast schon früher als Beamte, und verdienen am meisten unter den Ärzten (mehr dazu hier).

Fräulein Licht (25) studiert Medizin in Münster und schreibt in ihren Beiträgen über das PJ. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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