PJ-Blog: Meine erste Patientenaufnahme

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 48: "Meine erste Patientenaufnahme".

Fräulein Licht

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

den richtigen Sitzplatz hinten in der Ecke gefunden, Schlafmodus eingeschaltet und herzlich Willkommen in meiner geliebten Frühbesprechung!!! Nach der provisorischen Stunde Blut abnehmen, haben wir einen neuen Patienten auf der Station. Und ich war schneller als Anna, die andere PJlerin auf Station, und darf ihn auch gleich aufnehmen (naja, hätte ich das mal lieber nicht gemacht).

Er ist Steuerfachangestellter, 65 Jahre alt und hat am ganzen Körper Faszikulationen. Nie werde ich dieses Bild vergessen, wogende Muskelbewegungen überall. Und die Zunge (Faszikulationen dort nennt man dann Fibrillationen) wirklich eindrucksvoll. Ich hatte ja als inkompetenter PJler schon den Verdacht auf eine ALS. Und seine Ehefrau fragt bei der Visite auch noch, ob es denn so etwas wie Parkinson sei. Der Oberarzt macht große Augen, schluckt und antwortet, dass das klinische Bild eher gegen einen Morbus Parkinson spricht. Daraufhin atmen beide erleichtert auf und sagen: „Hach, wir sind froh, dass es das schon mal nicht ist“. Und alle anwesenden Mediziner denken sich sicherlich: „Sie werden sich noch wünschen, Parkinson anstatt ALS zu haben…“. Nach kurzem betretenem Schweigen bietet der Oberarzt ihnen dann morgen einen ausführlichen Gesprächstermin an …

Fräulein Licht (25) studiert Medizin in Münster und berichtet in ihren Blogeinträgen über ihr Praktisches Jahr. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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