PJ-Blog: Hochprivat

Nach reichlich Theorie im Studium endlich im PJ in den Alltag eines Arztes eintauchen – ein Traum für jeden Medizinstudenten – oder? Fräulein Licht berichtet regelmäßig auf www.operation-karriere.de von ihren Erfahrungen an der Klinik. Teil 46: "Hochprivat".

Fräulein Licht

Operation Karriere-Bloggerin Fräulein Licht

Liebes Krankenhaus,

heute bin ich nach der Frühbesprechung gleich in die Notaufnahme gegangen. Zunächst kam um 10:00 Uhr ein Hipster-Patient mit unglaublich tief sitzenden Jeanshosen hereingeschlurft. Er meinte, dass er heute früh mit starken Kopfschmerzen aufgewacht sei und es jetzt immer noch so ist. Auf der numerischen Rating-Skala, die ich ihm sehr anschaulich beschrieben habe (1 – keine Schmerzen; 5 – mittlere Schmerzen, wie bei einem Schlag in die Magengrube; 10 – schlimmste Schmerzen, als würde der Kopf explodieren) gab er noch lächelnd und vollen Ernstes eine 15 an. Na ja, ich glaube, ihm war langweilig. Die Assistenzärztin rief ihren Oberarzt an und beschrieb ihn nur ungefähr so: wir haben hier in der Notaufnahme einen phänotypisch hoch privat anmutenden Patienten, der stärkste Kopfschmerzen angibt. Entweder er will Schmerzmittel haben oder ihm ist langweilig. Sollen wir trotzdem ein CT machen?

Ja, natürlich wurde ein CT gemacht, der Radiologe sollte ja auch etwas zum Lachen haben. Und das hatte er auch. Das CT war natürlich komplett unauffällig, bis auf die merkwürdigen Metalleinlagerungen an den Zähnen. Diese stellten sich dann als Zahnimplantate heraus. Der Patient sagte, er wollte auch so ein Gebiss wie der Rapper 50 Cent haben. Anscheinend hatte er ihn bei einer Preisverleihung mit Bling-Bling-Zähnen gesehen und hatte sich jetzt selber metallene Plättchen auf die Zähne gebastelt. Das war also der erste etwas spezielle Patient. Aber der zweite folgte sogleich.

Es kam ein Patient mit einem Zeckenbiss von Station 3 zu uns herunter in die Notaufnahme. Dort hatten die Schwestern dummerweise nur den Körper der Zecke rausbekommen und es steckte noch der Kopf drinnen. Daher war er jetzt als chirurgischer Notfall in der Notaufnahme!!! Und, last but not least, eine 45-jährige Frau mit Mückenstich! Sie war natürlich ebenfalls phänotypisch hoch privat, wurde Gott sei dank chirurgisch geturft (obwohl eine psychiatrische Komponente meiner Meinung nach hier durchaus wahrscheinlich ist) und bekam eine Synkope beim Blutabnehmen.

Mal sehen, wer morgen dann so alles kommt, es kann ja nur besser werden…

Fräulein Licht (25) studiert Medizin in Münster und hat Ende 2015 ihr Praktisches Jahr an der Klinik begonnen. Alle Blog-Inhalte beruhen auf den Erfahrungen der Bloggerin im PJ und geben nicht die Meinung der Redaktion wieder. Die Namen von eventuell vorkommenden Personen wurden geändert.

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