Operativ vs. konservativ - Praxis vs. Klinik: Wohin führt mein Weg?

Spätestens nach dem Abschluss des Medizinstudiums müssen sich die zukünftigen Ärzte entscheiden, wohin ihr Weg sie führt. Operatives oder konservatives Fach? Niederlassung in eigener Praxis oder Anstellung in der Klinik?

Kathrin Eikholt und Susanne Atug

Kathrin Eikholt (l.) und Susanne Atug stellten operative und konservative Fächer sowie die Arbeit in Praxis und Klinik gegenüber. | Britta Krämer

Einige Impulse, welche Optionen junge Mediziner vor der Weiterbildung haben, gaben Kathrin Eikholt, Chefärztin der Fachabteilung Frauenheilkunde und Geburtsmedizin und Susanne Atug, Leitende Oberärztin der Fachabteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, beide Sana-Klinikum Remscheid, beim Operation Karriere-Kongress in Köln am 5. Dezember 2015.

Bei der Frage nach der Wahl eines konservativen oder operativen Fachs müsse man bedenken, dass sich in den letzten Jahrzehnten viel geändert habe. Auf der einen Seite gebe es mehr Niederlassungsformen als zuvor, beispielsweise Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und auch manche konservative Fächer beinhalteten mittlerweile auch interventionelle Aufgaben bzw. Untersuchungen. Jeder Absolvent müsse auf seiner "Reise" den richtigen Weg im Labyrinth der vielfältigen Möglichkeiten finden.

Konservative Fächer

Die konservativen Fächer seien nicht so sehr an die Klinik gebunden, da die meisten Untersuchungen auch in der Praxis durchgeführt werden könnten. "In der Gastroenterologie ist das gut möglich, zum Beispiel bei einer Magenspiegelung, die Geburtshilfe hingegen kann nur stationär an der Klinik stattfinden", erklärte Eikholt. Pausen während der Weiterbildung oder Auszeiten seien zudem einfacher realisierbar. "Bei operativen Tätigkeiten ist die praktische Arbeit enorm wichtig", sagte Atug. "Sobald man ein paar Monate nichts gemacht hat, stellt sich direkt eine gewisse Unsicherheit ein." Außerdem sei bei konservativen Fächern der Patientenkontakt höher, mehr Kommunikation im Alltag finde statt und die Empathie des Arztes müsse entsprechend hoch sein.

Operative Fächer

Die Weiterbildung in operativen Fächern finde überwiegend in Kliniken statt. "Diese Häuser haben eigene Strukturen, die man bedenken muss", sagte Atug, wie zum Beispiel die strikte Organisation nach Dienstplänen. Hier müsse man definitiv ein Teamplayer sein, um sich zurecht zu finden.

Die Arbeit in operativen Fächer seien zudem charakterisiert durch eine Kombination aus Kopf- und Handarbeit. Nach einem Eingriff seien schneller Ergebnisse sichtbar als bei einer konservativen Therapie. Dies könne mitunter zu einer schnelleren Befriedigung beim Arzt beitragen, da dieser direkt sehe, ob und welche positiven Auswirkungen der Therapieschritt zeige. "Auf der anderen Seite ist das Frustpotenzial natürlich auch groß, wenn man auf Situationen stößt, die man nicht mehr ändern kann – diese Arbeit ist physisch und psychisch sehr fordernd", sagte Eikholt. Daher müsse man auch eventuelle eigene Vorschädigungen wie Rückenprobleme oder einen leichten Tremor bei seiner Entscheidung beachten – "mit Tremor eignen Sie sich nicht unbedingt für die Mikrochirurgie!", sagte Atug.

Arbeit in der Praxis

Was macht die Arbeit in der Praxis aus? Man kann sein eigener Chef sein, hat eine hohe Patientenbindung, kommuniziert sehr viel und die freie Zeit ist planbarer – kein Wochenenddienst, keine Schichtarbeit, keine Feiertagsarbeit. "Dafür haben Sie nicht so häufig die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen und einen interdisziplinären Rat einzuholen", sagte Eikholt. In der Klinik könne man bei der Diagnosestellung Kollegen miteinbeziehen und bei der Auswertung eines Röntgenbildes beispielsweise einen Radiologen um Rat bitten. Stichwort Finanzen: Eine eigene Praxis stellt einen hohen Investitionsaufwand dar: Räumlichkeiten, Gerätschaften, Personalkosten etc. Das wirtschaftliche Risiko trägt der bzw. tragen die Praxisinhaber. Eine Absicherung durch einen liquiden Arbeitgeber im Hintergrund gibt es nicht.

Arbeit in der Klinik

Die Arbeit in der Klinik ist Teamarbeit, Ärzte haben hier Kontakt mit vielen Kollegen und mit vielen anderen Berufsgruppen. Zudem gibt es gute Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, auch in den umliegenden Fachbereichen. Atug: "So kann man seinen Blickwinkel erweitern – das macht immer Sinn!" Die Verantwortung liege in der Klinik auf mehreren Schultern, die interdisziplinäre Arbeit erlaube viele verschiedene Herangehensweisen an ein gesundheitliches Problem.

Der Träger bietet den Angestellten ein festes Einkommen und eine soziale Absicherung. Beim Thema Work-Life-Balance sieht es jedoch schwieriger aus. "Im Krankenhaus führt man ein Leben nach Dienstplan", erklärte Eikholt. Beide Referentinnen empfahlen den Studierenden, das PJ an kleineren Kliniken außerhalb der großen Ballungsräume zu absolvieren. Dort gebe es weniger PJler und die Chance, viele Untersuchungen bereits recht früh selbst durchzuführen, sei viel höher.

Quelle: Impulsvortrag: Operative versus konservative Fächer – Wie wähle ich aus!? Kathrin Eikholt und Susanne Atug, beide Sana Klinikum Remscheid, auf dem Operation Karriere-Kongress 2015 in Köln.