Kinder- und Jugendmediziner: Künstler im OP

Prof. Dr. Ania Muntau, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Uniklinik Hamburg-Eppendorf, berichtete auf dem Operation Karriere-Kongress in Hamburg über ihre Erfahrungen und ihre Leidenschaft für die Kinder- und Jugendmedizin.

Prof. Dr. Anja Muntau

„Ich beneide Sie.“ Mit diesem Geständnis eröffnete Muntau ihren Vortrag „Experte für die Kleinsten – Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin“ auf dem Operation Karriere-Kongress in Hamburg. „Sie sind am Ende des Studiums und haben alles noch vor sich“, fügte die Klinik-Chefin an. Sie riet dem Nachwuchs aber auch, sich gut zu überlegen, was Sie nun machen wollen.

Dabei stellte sie die Pädiatrie an der Klinik vor. Klinik, Forschung und Lehre verschmelzen hier, und am Beispiel der Phenylektonurie (PKU) könne man sehen, dass auch aus einer Kinderklinik heraus Medikamente entwickelt werden könnten – so wie es ihrem Team an der Eppendorfer Klinik gelungen war.

Operateure in der Pädiatrie: „Künstler“

Zum Alltag in der Klinik gehören auch operative Eingriffe. Und Operateure in der Pädiatrie nennt Muntau „Künstler“: Man arbeite ausschließlich mit Lupenbrillen, um die kleinen Gefäße nicht zu verletzen. Fester Bestandteil des Klinikalltags in der Pädiatrie sei die Krankenhausschule, denn trotz monatelanger Aufenthalte in einem Krankenhaus bleibe die Schulpflicht bestehen. Dass auch ein Raum der Stille dazu gehört, sei leider normal: „Wir können nicht immer erfolgreich sein.“ Dagegen sorgten die bekannten Krankenhaus-Clowns mit ihrem tollen Verhalten für die Kinder für viel Spaß – auch, weil sie dem Personal gegenüber eher sarkastisch aufträten.

Dass viele Klinikärzte sich über die Fesseln der Ökonomie beschwerten, kann Muntau für sich nicht bestätigen: „Sie kommen ohnehin nicht drumherum. Aber: Mir macht das Spaß. Suchen Sie im Gegenteil lieber nach den Chancen: Ökonomie und Verwaltung sind nicht unbedingt Ihre Feinde.“

Mentoringprogramm für Assistenzärzte

In ihrem Haus in Eppendorf sei der Commun trunk etabliert, und man habe ein Mentoringprogramm für Assistenzärzte eingeführt. Stolz sei sie zudem auf die Tatsache, dass man in Eppendorf auch einen Reformstudiengang anbiete: Die Studierenden kommen früher in die Klinik, vor allem auch, um Gesprächsführung zum lernen.

Muntau beschloss ihren Vortrag mit einem guten Rat: „Karriere bedeutet, den Platz zu finden, der für einen gut ist. Und das muss nicht immer die Universitätsmedizin sein.“

Operation Karriere, 30.05.2015, Hamburg. „Experte für die Kleinsten – Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin“. Prof. Dr. Ania Muntau, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.