Junge Ärzte in Lan­des­ärz­te­kam­mern: Mitgestalten als Privileg

Viele junge Ärzte verbinden mit Lan­des­ärz­te­kam­mern eine Behörde, zu die Formulare geschickt werden müssen. Dass Ärzte sich dort für ihre Interessen einsetzen können, merken viele erst später. In Hessen und Baden-Württemberg soll sich das nun ändern.

Junge Ärzte in Landesärztekammern

Junge Ärztinnen können und sollen sich für ihre Belange in den Kammern einsetzen. | Fotolia/Zinkevych

Mitgestalten statt nur zuschauen – das ist das Motto von immer mehr Aktivitäten junger Ärzte in den Lan­des­ärz­te­kam­mern. Immer mehr Kammern gründen einen Ausschuss für Weiterbildung – gerade ist Brandenburg hinzugekommen. Besonders aktiv sind junge Ärzte in Baden-Württemberg und Hessen: Dort hatte kürzlich die Ärztekammer Medizinstudierende und junge Ärzte aus Hessen nach Frankfurt am Main zu einem Gesprächskreis eingeladen. Mehr junge Kammermitglieder sollen für eine ehrenamtliche Tätigkeit in der ärztlichen Selbstverwaltung gewonnen werden.

Für den Präsidenten der Lan­des­ärz­te­kam­mer, Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, steht fest: „Es ist ein Privileg, über Angelegenheiten der Ärzte selbst entscheiden zu dürfen. Und deswegen gibt es für Ärzte eine gute Pflicht, in der ärztlichen Selbstverwaltung mitzuarbeiten.“ Doch im Alltag scheint das nicht ausreichend durchdrungen zu sein – auch nicht beim ärztlichen Nachwuchs. Den möglichen Ursachen will die Kammerspitze nun auf den Grund gehen.

Image der Ärztekammer

Eine der Fragen: Welches Bild haben junge Ärzte und Medizinstudierende überhaupt von der Ärztekammer? „Das erste Bild, das ich mir von einer Ärztekammer gemacht habe, war das einer berufsinternen Gerichtsbarkeit“, sagte Matthias Rosenthal, Medizinstudierender in Marburg. Eine Ärztin in Weiterbildung erlebte die Kammer anfangs als eine Einrichtung, „die Arbeit macht und zu der man Formulare schicken muss“. Von der privilegierten Stellung, innerärztliche Angelegenheiten und Fortbildungsfragen in einer eigenen Berufskammer selbst regeln zu können, habe sie überhaupt nichts geahnt. Wenig schmeichelhaft klingt auch die Wahrnehmung von Lauritz Blome, der in Frankfurt Medizin studiert: „Die Ärztekammer und die ärztlichen Verbände werden bei uns häufig mit einer Versicherung verwechselt.“ Von einer „geschlossenen Veranstaltung mit einer sehr komplexen Thematik, bei der man viel Hintergrundwissen benötigt, um überhaupt einsteigen zu können“, sprach Yvonne Jäger, Ärztin in Weiterbildung aus Friedrichsdorf im Taunus.

Moritz Völker

Moritz Völker, Vorsitzender des Ausschusses „Medizinstudierende im Hartmannbund" sprach bei einer Tasse Kaffee auf dem Operation Karriere Kongress Hamburg über die Ergebnisse der aktuellen Hartmannbund-Umfrage zum Thema Promotion und über seinen eigenen Standpunkt dazu.

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Die Allgemeinmedizinerin Monika Buchalik aus Maintal bei Hanau, sie ist Vizepräsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer, bedauerte, dass die ersten Kontakte junger Ärztinnen und Ärzte zur Berufskammer häufig über Prüfungen, das Beantragen von Arztausweisen und anderer Formalitäten zustande kämen und die Arbeit des Hauses dadurch auf Verwaltungsfunktionen mit bürokratischen Abläufen reduziert würde: „Das ist schade und da müssen wir besser werden. Gerade in den so wichtigen Bereichen wie der Weiterbildung wollen wir schließlich Service bieten und diesen für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen ausbauen.“ Darin, so glauben mehrere Teilnehmer der Gesprächsrunde, könnte auch eine Chance liegen, sich näher mit der Ärztekammer zu befassen und um Verständnis für ihre unterschiedlichen administrativen und berufspolitischen Rollen zu ringen.

„Ich selbst habe über meine Weiterbildung entscheidend mehr Kontakt zur Ärztekammer bekommen und bin dann in die Aufgaben hineingewachsen“, konstatierte Dr. med. Lars Bodammer, Präsidiumsmitglied der Lan­des­ärz­te­kam­mer und dort auch Vorsitzender des Ausschusses für den ärztlichen Nachwuchs. Er wünscht sich einen Lotsen, der die Nachwuchsmediziner „durch die Institution führt“ und der auch Fragen zur Sinnhaftigkeit bestimmter Regeln in der Berufsausübung beantworten könne. „Die Berufsverbände sind da weiter und schaffen es besser, den beruflichen Nachwuchs in ihre Strukturen zu integrieren.“

Doch wie gewinnt man künftige Ärztinnen und Ärzte, sich ehrenamtlich in der Selbstverwaltung zu engagieren?

Die Antworten der Studierenden in der Gesprächsrunde waren durchwachsen. Die meisten Kommilitonen seien froh, wenn sie ihr Pensum im Studium schafften, hieß es. Chancen, sie für eine Mitarbeit in ärztlichen Gremien zu gewinnen, bestünden am ehesten bei denen, die schon im Studium in der Studierendenvertretung engagiert seien. Die Kammer solle aus sich heraus mehr auf Studierende zugehen und sie informieren, am besten schon im fünften und sechsten Semester.

Und die Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung? „In der Weiterbildung hat man nicht den Status, über seine Zeiteinteilung autonom entscheiden zu können“, berichtete die Ärztin Yvonne Jäger. Oft bliebe dann nur die Freizeit. Präsidiumsmitglied Bodammer teilte die Skepsis: „Ich erlebe, dass es für viele ein Problem ist, regelmäßig einen Teil ihrer arbeitsfreien Zeit für ehrenamtliche Aufgaben einzuplanen.“

Einigkeit bestand darin, die Kammerarbeit transparenter, ihre Angebote für Studierende und junge Ärztinnen und Ärzte bekannter zu machen und sich über Twitter und Facebook sowie informative Internetauftritte unmittelbar an den Nachwuchs zu wenden. Ärzte würden politischen Einfluss verlieren und ihre Anliegen nicht verstanden, wenn ihre Selbstverwaltung nicht funktioniere und ihr Selbstverständnis von den eigenen Mitgliedern nicht rezipiert werde.

Mit der Landesärztekammer persönlich ins Gespräch kommen? Kein Problem! Auf dem Operation Karriere Kongress am 03.02.2018 in Frankfurt hält Nina Walter, Ärztliche Leiterin Stabsstelle Qualitätssicherung und stellvertretende ärztliche Geschäftsführerin der Landesärztekammer Hessen, einen Impulsvortrag und steht für Gespräche zur Verfügung.

Darüber hinaus erwarten Sie ärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesärztekammer Hessen als Ansprechpartner für Fragen rund um das Thema Weiterbildung am Messestand. Nutzen Sie auf dem Kongress die Chance, Ihre persönlichen Fragen zu stellen.

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