Junge Ärzte fordern Umdenken an den Kliniken

Junge Ärztinnen und Ärzte arbeiten nicht nur auf halber Flamme! Damit wehrte sich Kevin Schulte vom Bündnis Junge Ärzte auf dem vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Hauptstadtkongress gegen einen häufig gehörten Vorwurf.

Arztteam

Die Arbeitsdichte im Krankenhaus hat aus der Sicht junger Ärzte im Vergleich zu der von früheren Ärztegenerationen deutlich zugenommen. | Kzenon/Fotolia

Die Arbeitsdichte im Krankenhaus habe im Vergleich zu der von früheren Ärztegenerationen deutlich zugenommen, betonte er. Eine Einhaltung der Arbeitszeiten sei aufgrund der körperlich und psychisch anstrengenden Dienste erforderlich.

Gleichzeitig wies Schulte einen weiteren Vorwurf zurück, dass andere Berufsgruppen ebenso von einer Arbeitsverdichtung betroffen seien und die jungen Ärzte zu Unrecht klagten. „Die Belastung von Ärztinnen und Ärzten unterscheidet sich deutlich von der in anderen Branchen“, erläuterte er. „Beide Vorwürfe sollen uns lediglich das Recht absprechen, gegen die vorherrschenden Rahmenbedingungen in den Kliniken zu kämpfen.“

Ungünstige Bedingungen in Studie nachgewiesen

Nachgewiesen habe die häufig ungünstigen Arbeitsbedingungen eine bundesweite Befragung von Weiterbildungsassistenten durch die „Jungen Internisten“ in der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und des „Jungen Forums“ des Berufsverbandes Deutscher Internisten im Jahr 2014, erklärte Schulte. Damals nahmen 1.700 Weiterbildungsassistenten an der Umfrage teil und beklagten eine mangelnde Struktur und fast keine Personalführung während der Weiterbildung.

Zudem hätten die Jungen Ärzte im Rahmen der Umfrage den sogenannten „Verausgabungs-Belohnungs-Quotienten“ nach dem Modell der beruflichen Gratifikationskrisen von Johannes Siegrist (Institut für Medizinischen Soziologie an der Universität Düsseldorf) ermittelt. Dieser zeige das Risiko für Burn-out-Syndrom, berufsbedingte Depressionen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen an. „Mehr als 90 Prozent der befragten Weiterbildungsassistenten wiesen einen Quotienten größer eins auf, was für ein Missverhältnis spricht", erläuterte Schulte. Dies sei bei keiner anderen Berufsgruppe in diesem Maße zu finden.

"Immer noch ein Tabu, über Arbeitsbelastung zu sprechen"

Es sei für Ärzte immer noch ein Tabu, über ihre eigene Arbeitsbelastung zu sprechen, sagte Albert Nienhaus von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege. Nach seinen Daten arbeiteten junge Ärzte am meisten in den Klinken, nämlich 49 bis 60 Stunden durchschnittlich pro Woche. „Planung und Unterstützung durch erfahrenere Kollegen führt bei ihnen zu positiveren Gesundheitsindikatoren“, erläuterte er.

Schulte sieht zur Lösung der Problematik Möglichkeiten auf drei Ebenen: Zunächst müssten die Ärzte bei sich selbst anfangen und das Stationsmanagement verbessern, zweitens müsste es künftig bessere Strukturen auf Klinikebene geben, beispielsweise einheitlich IT-Systeme, mit denen sich Zeit sparen ließe. Sein dritter Aufruf ging an die Politik: Sie müsse für Verbesserungen bei der Krankenhausfinanzierung sorgen.

Davon würden dann auch Fachärzte profitieren, die momentan sehr rar an deutschen Universitätskliniken sind, sagte Klaus Hahnenkamp von der Universitätsmedizin Greifswald. Er betonte die Notwendigkeit, Ärzte des „Mittelbaus“ an den Kliniken zu halten. Dabei verwies er auf das Projekt „Facharzt Plus“ der Universität Münster, das Ideen aus anderen Branchen nutze. Ziel sei es, geeignete Maßnahmen zu finden, um Fachärztinnen und Fachärzte nach Abschluss der fünf- bis sechsjährigen Weiterbildung für weitere fünf Jahre oder mehr an das Krankenhaus zu binden. Um dies zu erreichen, müssten Karriereperspektiven geschaffen, die Wertschätzung verankert, die Fortbildung gestärkt und Flexibilität ermöglicht werden. 

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