Herzstillstand: Neue Leitlinien zur Wiederbelebung

Bei Akutereignissen am Herzen und Kreislaufstillstand ist die Zeit der wichtigste Faktor. Um medizinischen Fachkräften immer die aktuellsten Empfehlungen an die Hand zu geben, gibt der European Resuscitation Council (ERC) alle fünf Jahre aktuelle Leitlinien zur Wiederbelebung heraus.

Seit Mitte Oktober stehen allen Medizinern und Laien die aktualisierten Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimationen zur Verfügung. | Foto: Ssogras/Fotolia.com

Seit Mitte Oktober stehen allen Medizinern und Laien die aktualisierten Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimationen zur Verfügung. Im Vergleich zur letzten Ausgabe, die im Jahr 2010 erschienen war, sind die grundlegenden Aussagen zur Durchführung der Wiederbelebung gleich geblieben. Viele Bewertungen und Details haben sich jedoch geändert.

Laut ERC müssen mehr Ersthelfer ausgebildet werden, intelligente Alarmierungssysteme entwickelt bzw. verstärkt eingesetzt werden und eine deutliche Zunahme der Laienreanimation sei nötig, um mehr Leben zu retten. Die ERC hat daher ein Konzept für die Schülerausbildung entwickelt, um Ersthelfer schon so früh wie möglich ausbilden zu können.

Wichtige neue Impulse

Die Zahlen des plötzlichen Herztods in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache: Mit 10.000 unerwarteten Todesfällen pro Jahr sind der plötzliche Herztod und der Kreislaufstillstand anderer Ursache die dritthäufigste Todesursache. Mehr Opfer fordern lediglich bösartige Neuerkrankungen sowie Herzkreislauferkrankungen anderen Ursprungs. "Ein Zustand, der deutlich verbessert werden könnte", sagt Prof. Dr. Bernd W. Böttger, Vorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC) und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin an der Universitätsklinik Köln. Die aktuellen Leitlinien brächten wichtige neue Impulse auf dem Weg zu mehr geretteten Leben.

In der neuen Leitlinie ist beispielsweise festgehalten, dass eine manuelle Reanimation mindestens genauso effektiv ist, wie die Hinzunahme mechanischer Reanimationshilfen. "In einigen Studien fand sich sogar ein schlechteres neurologisches Ergebnis bei Verwendung mechanischer Systeme", betont Böttger. Das Problem bei der Verwendung mechanischer Hilfsmittel sei eine gewisse Unterbrechung der Thoraxkompression. Empfehlenswert sei die Vernachlässigung der "Handarbeit" einzig in besonderen Situationen wie während eines Transportes, bei sehr langer Reanimationsdauer und im Herzkatheterlabor.

Die wichtigsten Empfehlungen

Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Empfehlungen bei der Reanimation:

1. Die Drucktiefe soll ungefähr 5 und nicht mehr als 6 cm betragen

2. Die Frequenz soll bei 100 bis 120 pro Minute liegen

3. Pausen von zehn Sekunden müssen vermieden werden

4. Adrenalin wird weiterhin empfohlen

5. Experten sollen eine Intubation vornehmen, ohne Unterbrechung der Herzdruckmassage. Alternative sind supraglottische Atemwegshilfen

6. Die Kapnographie ist obligat

Die Weiterbehandlung der Patienten soll nach Möglichkeit in speziellen Zentren erfolgen, sogenannten Cardiac Arrest Centers, in denen die direkte Koronarintervention durchgeführt werden kann. Werden innerhalb der ersten zwei Stunden nach dem Akutereignis die verantwortlichen Koronarien dilatiert, verbessert dies die Prognose der Patienten deutlich.

Ebenfalls in den Leitlinien enthalten ist eine Empfehlung für das Temperaturmanagement. Für mindestens 24 Stunden nach Kreislaufstillstand sollen die Patienten auf eine Temperatur zwischen 32 und 36 Grad Celsius gekühlt werden, um Fieber und eine Hyperoxie zu vermeiden.

Instruktion per Telefonreanimation

Immer mehr Leitstellen in Deutschland führen die sogenannte Telefonreanimation durch. Hierbei können sich Laien von den Leitstellendisponenten über das Telefon instruieren lassen, um selbst rechtzeitig eine Reanimation zu leisten. Da die meisten Kreislaufstillstände zu Hause passieren und das Gehirn nach drei bis fünf Minuten anfängt zu sterben, müssen Laien unbedingt in der Lage sein, zu reanimieren. Der Rettungswagen trifft im Durchschnitt erst nach zwölf Minuten ein.

Quelle: Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC), Ulm