Die Medizin wird weiblich – aber sie ist es noch nicht

Obwohl der der Frauenanteil bei den Studienanfängern im Fach Medizin seit Jahren bei deutlich mehr als 60 Prozent liegt, ist die Medizin im Augenblick nicht weiblich dominiert.

Chirurgin

Trotz einer Mehrheit innerhalb der Studierendenschaft, ist die Medizin im Augenblick nicht weiblich dominiert. | Koszivu/Fotolia

Laut einer aktuellen Information der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum Weltfrauentag 2016 liegt der Frauenanteil am ärztlichen Personal in Krankenhäusern bei rund 46 Prozent (Zahl für 2013). Er ist damit allerdings um rund zehn Prozent gegenüber 2004 gestiegen.

Bei den Vertragsärzten liegt der Frauenanteil bei 43,2 Prozent (Zahl für 2014), auch hier ist die Tendenz laut der KBV seit Jahren steigend. Laut dem sogenannten ZiPP-Jahres­bericht 2013 des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) behandeln Frauen ihre Patienten anders als Männer: Sie nehmen sich mehr Zeit für Patienten und arbeiten grundsätzlich weniger als ihre männlichen Kollegen. So ist die Jahresarbeitszeit bei Frauen mit 2.116 Stunden etwa 16 Prozent geringer als bei Männern. Die Zeiten je Patient beziehungsweise je Behandlungsfall sind bei Frauen jedoch mit 38,3 Minuten 23 Prozent höher als bei den männlichen Kollegen.

Frauen verdienen offenbar in der Praxis deutlich weniger als Ärzte: Praxisinhaber erwirtschaften der ZiPP-Erhebung von 2013 zufolge mit der Behandlung von gesetzlich Versicherten- und Privatpatienten zusammen einen mittleren Jahresüberschuss von 168.800 Euro, Praxisinhaberinnen von 104.600 Euro. Dies erklärt sich durch die geringeren Patientenzahlen und das weniger technisch-geprägte Leistungsspektrum und die zeitintensivere Behandlung je Patient. „Zukünftig muss insbesondere die sprechende Medizin adäquat vergütet werden, um die Niederlassung für Frauen noch attraktiver zu gestalten“, fordert die KBV daher. 

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von