Forum Junge Internisten auf dem DGIM-Kongress: Ärzte weltweit im Einsatz

Bei welchen Projekten können sich Nachwuchsmediziner im Ausland engagieren? Darum ging es bei einer Session des Forums Junge Internisten. Dr. Annemarie Schraml versorgt seit 18 Jahren Kinder mit Verbrennungen in Tansania. Beim diesjährigen DGIM-Kongress in Mannheim stellte sie ihr Projekt „Feuerkinder“ vor.

 

Dr. Annemarie Schraml stellte beim Forum Junge Internisten auf dem diesjährigen DGIM-Kongress in Mannheim das Projekt "Feuerkinder" vor. | Martin Reinhart

„Gerade kleine Kinder verbrennen sich in Tansania häufig, weil dort oft auf offenen Feuerstellen gekocht wird“, erklärte Schraml. Häufig bringen Eltern ihre verletzten Kinder dann nicht rechtzeitig ins Krankenhaus, weil die Menschen auf dem Land nicht krankenversichert sind. „Jede Behandlung muss bar bezahlt werden – die Menschen dort leben in großer Armut und können sich das meistens nicht leisten.“ Die Folgen: Verbrennungen heilen häufig nur unter extremen Kontrakturen aus.

Um hier zu helfen, startete Schraml im Jahr 2000 das Projekt „Feuerkinder“. Das sei ursprünglich als einmalige Hilfsaktion geplant gewesen – habe sich nun aber als feste Einrichtung etabliert, erklärt die Nürnbergerin, die bis zum vergangenen Jahr Chefärztin der Cnopf'schen Kinderklinik war und sich nun im Ruhestand weiter ehrenamtlich engagiert. In den vergangenen 18 Jahren sei das Team ständig erweitert worden, auch die Anforderungen und Aufgaben der Helfer seien gestiegen. Finanziert wird das Projekt durch zwei Stiftungen.

Die Mitarbeiter des Projekts „Feuerkinder“ reisen kreuz und quer durch Tansania, um zu helfen. Dabei werden die Dorfbewohner vorab per Handy informiert, dass ein Ärzteteam kommt. Vor Ort werden die kleinen Patienten zunächst untersucht. Dann wird behandelt: Von morgens bis abends führen die Ärzte an sechs Tagen der Woche Operationen durch, behandeln ambulant oder wechseln Verbände. Bis zu 100 Patienten kommen täglich – und nicht nur mit Verbrennungen: Auch Frakturen sind ein großes Problem. Die Bilanz des Projekts kann sich sehen lassen: In den vergangenen 18 Jahren wurden fast 2.100 Patienten operiert, mehr als 7.200 wurden ambulant behandelt.

Peter Karle sprach über die Chancen, die eine Famulatur im Ausland bietet

Etwas von der Welt sehen und dabei Erfahrungen sammeln – viele Nachwuchsmediziner zieht es für ihre Famulatur ins Ausland. Peter Karle, Chefredakteur bei Medizinernachwuchs.de, erklärte beim Operation Karriere-Kongress in Frankfurt, worauf man dabei achten muss.

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Dabei wollen Schraml und ihr Team auch Hilfe zur Selbsthilfe leisten – z.B. durch eine Verbesserung der Infrastruktur der Krankenhäuser oder die Schulung des medizinischen Personals vor Ort. „Das ist ein wunderschönes Arbeiten,“ schwärmt die Ärztin im (Un-)Ruhestand: „Man lernt wieder, Medizin mit Händen und Augen zu machen und sich nicht nur auf Instrumente zu verlassen.“ Bei jedem Einsatz werde auch ein Medizinstudent oder junger Arzt mitgenommen – die Kosten werden vom Projekt getragen.

Wer mitmachen möchte: Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf feuerkinder.de.

Telemedizin für Afghanistan

Nicht nur in Afrika, auch in anderen Regionen der Welt ist medizinische Unterstützung bitter nötig – zum Beispiel in Afghanistan. Dr. Azim Mosafer hat daher in den vergangenen Jahren ein Telemedizin-Netzwerk für das Land aufgebaut. „In Afghanistan liegt das öffentliche Gesundheitswesen brach – die Universität von Kabul ist noch immer so ausgestattet wie vor 30 Jahren“, beschreibt der Wirbelsäulenspezialist und Oberarzt der Zentralklinik Bad Berka, der selbst 1980 nach der Invasion durch die Sowjetunion aus Afghanistan geflohen ist: „Auf 10.000 Menschen gibt es nur drei Ärzte, fünf Zahnärzte, 0,3 Apotheker und 0,3 Pfleger.“ Neben dem Personalmangel seien die Ärzte auch noch schlecht ausgebildet – die Behörden seien korrupt und es gebe keine Qualitätskontrolle.

Wer es sich leisten kann, fliegt daher als Gesundheitstourist nach Indien, Pakistan oder in die Türkei – die meisten Afghanen haben diese Möglichkeit allerdings nicht. Mit seinem Verein ADAV Weimar will Mosafer helfen, das Gesundheitssystem in Afghanistan zu verbessern. Seit 2004 gibt es regelmäßige Konferenzen zu Veränderungen im klinischen und universitären Bereich. „Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein – deshalb arbeiten wir jetzt mit Telemedizin“, erklärt Mosafer. Dadurch können unter anderem Fortbildungen für Ärzte, Live-OPs, Hygiene-Schulungen und Ultraschall-Kurse angeboten werden. In den Großstädten Kandahar, Herat, Kabul und Jalalabad gibt es inzwischen entsprechende Zentren – knapp 3.000 Patienten konnten bisher in die telemedizinische Infrastruktur integriert werden. Insgesamt sollen 45 Telemedizin-Center entstehen.

Ein weiterer Baustein des Konzepts sind E-Tutorials für Medizinstudenten: Die Studierenden an den Unis Kabul und Mazar-i-Sharif können sich die Materialien an der Uni downloaden und dann später auch offline nutzen. Mosafer hofft, dass so künftig das Niveau der medizinischen Versorgung in Afghanistan nach und nach verbessert werden kann.

Der Verein sucht immer nach Ärzten oder Medizinstudenten, die die Telemedizin unterstützen und z.B. Röntgenbilder checken oder Diagnosen stellen. Mehr Informationen gibt es auf afghan-german-telemedizin.de.

 

Quelle: Forum Junge Internisten auf dem DGIM-Kongress in Mannheim, 16. April 2018