Einer für alle Fälle – Facharzt für Allgemeinmedizin

Die Facharztausbildung zum Allgemeinmediziner dauert fünf Jahre und führt durch zahlreiche Stationen. Für wen sich diese Ausbildung eignet und was man dafür mitbringen muss, erklärte Dr. Enver Atli auf dem Operation Karriere Kongress 2015 in Köln.

Dr. Enver Atli

Dr. Enver Atli während seines Vortrags beim Operation Karriere Kongress Köln 2015. | dd

„Der Allgemeinmediziner ist die eierlegende Wollmilchsau“, erklärte Dr. Enver Atli, leitender Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie vom Katholischen Hospitalverbund Hellweg gGmbH in Unna bei seinem Vortrag auf dem Operation Karriere Kongress in Köln. Als „Lotse im Gesundheitswesen“ stelle er das Bindeglied zwischen Patient und System dar. Wirtschaftliches Denken und Handeln seien ebenfalls Kerncharakteristika eines Allgemeinmediziners. 

Laut Weiterbildungsordnung (WBO) dauert die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin 60 Monate und ist in mehrere Stationen unterteilt:

  • Zunächst erfolgt eine 36 Monate lange, stationäre Basisweiterbildung im Bereich der Inneren Medizin. Davon können bis zu 18 Monate in Bereichen der unmittelbaren Patientenversorgung oder auch im ambulanten Bereich angerechnet werden. Hierbei ist eine Stückelung in dreimonatige Abschnitte möglich.
  • Darauf folgen 24 Monate Weiterbildung in der ambulanten hausärztlichen Versorgung. Hier können bis zu 6 Monate in der Chirurgie angerechnet werden. Auch hier ist eine Stückelung in je drei Monate möglich.
  • Zum Abschluss der Ausbildung verlangt die WBO 80 Stunden Kurs-Weiterbildung in der psychosomatischen Grundversorgung.

Zu den Ausbildungsinhalten in der Klinik gehören auch die Stationsbetreuung, Sonographie, Diabetologie, Palliativmedizin und eine intensivmedizinische Basisausbildung, so Atli. 

Um eine gute Ausbildung zu erfahren, müssten Ärzte in der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner auf den Stellenschlüssel der Klinik achten, die ausbilde. „Achten Sie darauf, dass Sie von einem Oberarzt supervidiert werden – und zwar täglich.“, sagte Atli. Man solle auch darauf achten, dass es zum jeweiligen Ausbildungsabschnitt ein „verbrieftes Curriculum“ gebe. 

„Großes Maß an Empathiefähigkeit“

Zu den Anforderungen an einen Allgemeinmediziner gehöre vor allem ein großes Maß an Empathiefähigkeit, so Atli. Bevor man die Ausbildung in dieser Fachrichtung beginne, sollte man sich das Folgende fragen: „Verstehe ich die Leute, kann ich auf ihre Probleme eingehen? Kann ich verstehen, wie sie denken und handeln?“ Nur wenn man dies uneingeschränkt bejahen könne, sollte man sich für diese Facharztausbildung entscheiden. Auch müsse man sich im Klaren darüber sein, dass man sich als Allgemeinmediziner später „am unteren Ende der Einkommensskala“ befinde und dies bei einer gleichzeitigen hohen zeitlichen und räumlichen Flexibilität.

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Existenz- oder gar Zukunftsängste brauche man sich als angehender Allgemeinmediziner indes nicht zu machen, so Atli. „Sie brauchen keine Karriere-Planung. Als Allgemeinmediziner werden sie Karriere machen.“ Mit diesen Worten schloss Atli, an dessen Klinik auch Allgemeinmediziner ihre Ausbildung durchlaufen.

Quelle: Dr. Enver Atli, leitender Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Katholischer Hospitalverbund Hellweg gGmbH, Unna. Vortrag: "Einer für alle Fälle - Facharzt für Allgemeinmedizin", Operation Karriere Kongress, Köln, 2015.