Erst die Karriere, dann die Kinder? Wie schwierig ist Familienplanung für junge Ärztinnen und Ärzte?

Die Facharztweiterbildung noch nicht in der Tasche, aber einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand? Für viele junge Ärztinnen und Ärzte ist das ein Horror-Szenario, weil sie um ihre Karriere fürchten, bevor diese überhaupt richtig begonnen hat. Wir sagen dir, wie du für deine Familienplanung die richtigen Weichen stellst, damit es nicht dazu kommt!

Familie Ärzte

Kind und Karriere als Arzt/Ärztin - geht das? Ja, mit der richtigen Planung!

Schwanger im OP! Ist das nicht gefährlich?

Mit dem Mutterschutzgesetz seid ihr als schwangere Ärztinnen ausreichend geschützt: Der Arbeitgeber sollte gemeinsam mit euch und dem Betriebsarzt prüfen, ob der Einsatz am bisherigen Arbeitsplatz nach den gesetzlichen Vorgaben noch möglich ist, zum Beispiel im OP. Wenn das nicht der Fall ist, muss unter Umständen temporär ein anderer Arbeitsplatz für euch gesucht werden. Oft ergeben sich für Schwangere ungefährliche Möglichkeiten, die übrigen ärztlichen Kolleginnen und Kollegen im Team zu unterstützen. Ihr könntet zum Beispiel für die Dauer eurer Schwangerschaft Arztbriefe schreiben, Aufklärungsgespräche mit Patienten führen, Patientenfälle codieren oder Visiten durchführen, um nur einige Optionen zu nennen.

Und wenn das Baby da ist? Mit dem Arbeitgeber zusammen die richtige Lösung finden!

Ob ihr es glaubt oder nicht: Mediziner in Elternzeit – Väter genauso wie Mütter – haben ihrem Arbeitgeber gegenüber heute gar nicht mehr so schlechte Karten. Denn die Chefs begreifen langsam, dass es genau diese jungen Mediziner sind, die nach ihrer Auszeit wieder als hoch qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Es ist bereits gängige Praxis, dass insbesondere AssistenzärztInnen während der Facharztweiterbildung eine Auszeit von 1 bis 1,5 Jahren für die Familiengründung nehmen und im Anschluss die Facharztweiterbildung wieder aufnehmen.

Spezielle Elternzeitmodelle machen für Ärzte allerdings keinen Sinn, weil immer eure individuelle Situation berücksichtigt werden muss. Ihr seid gut beraten, rechtzeitig das Gespräch mit einem verständigen Vorgesetzten und der Personalabteilung zu suchen.

In der Elternzeit frühzeitig die Kinderversorgung planen

Für den Wiedereinstieg in den Beruf ist oft die Zeit zwischen dem Ende der Elternzeit und dem ersten Tag im Kindergarten entscheidend. Wenn die Betreuungssituation hier nicht geklärt ist, kann euch das eine Menge Arbeitszeit kosten und eure Karriere gefährden. Als Faustregel gilt: Je näher ihr am Arbeitsplatz wohnt, desto einfacher werden die Versorgungsmodelle. Eine gute Möglichkeit der Kinderbetreuung direkt nach der Elternzeit ist zum Beispiel eine U3-Kindertagesstätte. Fragt auch unbedingt nach Einrichtungen, die den Kliniken oder Krankenhäusern angegliedert sind, in denen ihr arbeitet! Bei der derzeitigen Auslastung solltet ihr euch frühzeitig dort anmelden.

Ihr könnt aber auch über eine Betreuung durch eine Tagesmutter, eine Kinderfrau oder die Großeltern nachdenken. Ganz egal, wie ihr es macht: Eine durchdachte und frühzeitige Planung hilft euch enorm beim Wiedereinstieg in den Beruf.

Kinder und Medizin-Karriere auf Dauer vereinbaren?

Wie in jedem anspruchsvollen Beruf ist auch in der Medizin die Vereinbarkeit von Familie und Karriere eine Herausforderung. Viele Arbeitsstunden gehen zulasten der Familie und der sozialen Kontakte. Das ist aber in allen Arbeitsbereichen so: Eine Position im Vorstand erfordert mehr Arbeitsstunden als in der Sachbearbeitung und als Oberärztin arbeitest du mehr als in einer Facharztposition.

Letztlich ist vieles von euren persönlichen Umständen und Möglichkeiten sowie von eurem Arbeitgeber abhängig. Wenn ihr Vorgesetzte und Arbeitgeber mit Weitblick habt, werden sie das Thema Familienplanung bereits frühzeitig ansprechen und mit euch zusammen ein Karrieremodell unter Berücksichtigung der Familienplanung entwickeln. Auch wenn dieses Szenario für einige Einrichtungen noch Zukunftsmusik ist, geht der Trend auf jeden Fall in diese Richtung.


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Quelle: Thomas Becker, Personalleiter und Personal-Coach