Diskussion: Kind und Klinik – Geht nicht, gibt’s nicht

Im Rahmen des 119. Deutschen Ärztetages luden das Bündnis Junge Ärzte und die Bundesärztekammer zu einer Gesprächsrunde, um den Einfluss junger Ärzte auf die zukünftige Medizin zu diskutieren. Einer der Themenkomplexe war das Thema Kinder und Karriere.

Kind und Karriere

Kind und Weiterbildung als junger Arzt/Ärztin unter einen Hut zu bekommen ist ein Spagat | Konstantin Yuganov/Fotolia

Junge Ärztinnen und Ärzte, die sich in ihrer Weiterbildung befinden, stehen immer wieder vor der Herausforderung ihre Weiterbildung mit ihrer Familienplanung zu vereinbaren. Dr. Jürgen Konczalla, Bündnis Junge Ärzte und Sprecher der jungen Neurochirurgen (DGNC), berichtete, dass ärztliche Kollegen mit Kind bzw. Kindern Probleme hätten, die Weiterbildung gemäß Vorgaben abzuleisten, da Weiterbildungszeiten im Zweifel nicht anerkannt würden.

Die Musterweiterbildungsordnung schreibt eine Mindestzeit für Weiterbildungsabschnitte von sechs Monaten vor. Problematisch wird es, wenn durch Schwangerschaft, Elternzeit oder Teilzeitarbeit die Weiterbildung unterbrochen wird und eine Mindestzeit noch nicht erreicht wurde. Eine Forderung des Bündnisses Junger Ärzte ist daher, die Mindestweiterbildungszeit und die Wochenstundenzeit zu reduzieren. Dr. Markus Wenning, Geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Westfalen-Lippe, zeigte dafür Verständnis: „In solchen Angelegenheiten ist die Einzefallprüfung wichtig. Wenden Sie sich an die Kammern, denn dort findet eine inhaltliche Prüfung der Weiterbildungsordnung statt und nicht das reine Berufen auf Paragraphen. Die bisherige Zeitenfixierung in der Weiterbildungsordnung ist tatsächlich eine Katastrophe“. Daher sei dies ein wichtiger Punkt in der Novellierung der Weiterbildungsordnung. Künftig sollen weniger die Zeiten, sondern mehr die erworbenen Kompetenzen ausschlaggebend sein, wenn es um die Anerkennung von Weiterbildungsabschnitten geht. Der aktuelle Sachstand zur Novellierung der (Muster-)Weiterbildungsordnung kann auf der Website der Bundesärztekammer eingesehen werden.

Kommunikation ist das A und O

Dr. Hannah Arnold, Bündnis Junge Ärzte und Sprecherin der jungen Urologen in der GeSRU (German Society of Residents in Urology), ist selbst Mutter eines kleinen Kindes. Sie schilderte aus eigener Erfahrung, dass ihr die offene und ehrliche Kommunikation mit ihrem Vorgesetzten geholfen habe. Gemeint sei damit nicht, dass man nicht den Vorgesetzten mit in die eigene Familienplanung einbeziehe und diese mit ihm bespreche – vielmehr gehe es darum, dass über das Neuorganisieren der Arbeit während der Elternzeit gesprochen werde.

Es sei von Vorteil, frühzeitig zu klären, wie die Abteilung und die Arbeit vorübergehend ohne einen selbst funktionieren kann. Arnold räumte ein: „Die Mühlen in der Gesundheitspolitik mahlen langsam, aber sie mahlen! Es tut sich was in den Kammern und die Kommunikation miteinander ist dabei ganz wichtig“. Dies bekräftigte auch Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe aus dem Publikum: „Die Aufgabe der Kammern ist es, Beruf und Familie für Ärzte gangbar zu machen.“

Neue Arbeitszeitmodelle sind gefragt

Prof. Dr. Diana Lüftner, Oberärztin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité und Mitglied des Vorstands der DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.), gab zu bedenken, dass die Karriereschere in ihrem Fachgebiet Hämatologie und Onkologie ab dem Karrierelevel Oberarzt/Oberärztin besonders stark auseinander gehe. Sie sei „Fan“ von dem Motto „Kind und Klinik: Geht nicht, gibt’s nicht“ – dass dies auch in die Praxis umgesetzt werden könne, zeige ganz klar die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Uniklinik Düsseldorf. Geschätzt sind dort laut Lüftner rund 70 Prozent der Positionen mit Frauen besetzt, darunter auch Oberarztpositionen. Lüftner sagte, sie stehe in Kontakt mit der Klinikdirektorin und wisse daher, dass die Klinik mit vielen unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen arbeite und auf diese Art und Weise bestens funktioniere.

Arnold konnte zum Abschluss der Diskussion aus ganzem Herzen bekräftigen: „Es geht nicht nur, es lohnt sich sogar!“ Untersuchungen würden belegen, dass sich selbst mit einem höheren Organisationsaufwand, etwa beim Erstellen der Dienstpläne, gute ökonomische Zahlen erzielt werden können. Diese ließen sich darauf zurückführen, dass eine hohe Fluktuation negativere Auswirkungen habe als ein hoher organisatorischer Aufwand. 

Quelle: Satellitensymposium Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute. Podiumsdiskussion „Kind und Klinik: Geht nicht, gibt’s nicht“. Im Podium: Dr. Hannah Arnold, Bündnis Junge Ärzte, Sprecherin der jungen Urologen in der GeSRU; Dr. Jürgen Konczalla, Bündnis Junge Ärzte, Sprecher der DGNC; Dr. Markus Wenning, Geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Westfalen-Lippe; Prof. Dr. Dorothee Alfermann, Direktorin des Institutes; Sportpsychologie und Sportpädagogik der Universität Leipzig, Leiterin des Projektes „Karriereverläufe und Karrierebrüche bei Ärztinnen und Ärzten während der fachärztlichen Weiterbildung“ (KarMed); Prof. Dr. Diana Lüftner; Oberärztin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité, Mitglied des Vorstands der DGHO. Congress Center Hamburg, 23.05.2016