Diskussion: Forschung und Weiterbildung – Wie geht das zusammen?

Den 119. Deutschen Ärztetag nahmen das Bündnis Junge Ärzte und die Bundesärztekammer zum Anlass, um über die Medizin der Zukunft und die aktuell sinkenden Zahlen junger Ärzte in der Forschung zu sprechen.

Forschung und Weiterbildung

Haben junge Ärzte weniger Interesse an Forschung? | Alexander Rath, Fotolia

„Die Forschung gibt uns die Möglichkeit, nicht daran zu leiden und zu sterben, woran unsere Vorfahren gelitten haben bzw. gestorben sind“, so eröffnete Dr. Kevin Schulte, Bündnis Junge Ärzte und Sprecher des Jungen Forums im BDI (Berufsverband Deutscher Internisten e.V.), die dritte und letzte Podiumsdiskussionsrunde des gemeinsamen Symposiums “Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute“ von Bundesärztekammer und Bündnis Junger Ärzte.

Doch ein negativer Trend zeichnet sich ab: Immer weniger junge Ärzte promovieren heute und wollen in die Forschung gehen. Das Bündnis Junge Ärzte fordert daher Strukturen, die eine Verzahnung von Weiterbildung und Forschung ermöglichen. Die aktuell gelebten Strukturen seien veraltet und würden junge Ärzte abschrecken. Es bestehe dringend Handlungsbedarf: „Wir haben bereits zwei Generationen an Ärzten in der Forschung verloren“, machte Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, Vorsitzende der Arbeitsgruppe 'Förderung ärztlichen Nachwuchses in der klinischen Forschung' der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft), deutlich. Der ärztliche Nachwuchs sei besonders wichtig, um Innovationen in der Medizin voranzutreiben.

Dr. med. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, wünscht sich in der medizinischen Forschung in Deutschland einen Status zu erreichen, dass amerikanische Kollegen für die Forschung nach Deutschland kommen und nicht anders herum.

Alles eine Frage des Zeitmanagements?

„Forschung muss man hochhalten, aber nicht zu Lasten einer qualitativen Weiterbildung“, betonte Prof. Dr. Tobias Raupach, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Universitätsmedizin Göttingen und Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung im Studiendekanat der Medizinischen Fakultät in Göttingen. Die Systeme Forschung und Weiterbildung ließen sich leider gegeneinander ausspielen. Raupach erklärte außerdem, dass nicht alle Forschung gänzlich sinnvoll sei. Die renommierte Zeitschrift Lancet bezeichnet fehlgeleitete Forschung als „Waste“, also Abfall. „Forschung braucht Zeit und eine qualitative Weiterbildung braucht Zeit, sonst drohen entweder „Waste“-Forschung oder „Waste“-Weiterbildung“, fasste Dr. med. Annette Güntert, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Bundesärztekammer und Leiterin des Dezernats Ärztliche Aus- und Weiterbildung, die entstandene Diskussion zusammen. Wer gleichzeitig forschen und sich weiterbilden will, der brauche eben länger als seine Kollegen. Nicht jeder müsse in die Forschung gehen. Für die jungen Ärzte, die wirklich in die Forschung wollen, möchte man jedoch kein Nadelöhr sein, so Güntert.


Quelle: Satellitensymposium Medizin der Zukunft – durch junge Ärzte heute. Podiumsdiskussion „Forschung und Weiterbildung – Wie geht das zusammen?“. Im Podium: Dr. Diane Bitzinger, Bündnis Junge Ärzte, Sprecherin der jungen Anästhesisten in der DGAI; Dr. Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Ärztekammer; Schleswig-Holstein, Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer; Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Förderung ärztlichen Nachwuchses in der klinischen Forschung“ der DFG; Prof. Dr. Tobias Raupach, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Universitätsmedizin Göttingen, Leiter des Bereichs Medizindidaktik und Ausbildungsforschung im Studiendekanat der Medizinischen Fakultät; Dr. Kevin Schulte, Bündnis Junge Ärzte, Sprecher des Jungen Forum  im BDI. Congress Center Hamburg, 23.05.2016