Chirurg werden – dieses Handwerkszeug braucht man

Operative Geschicklichkeit, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und keine Schwierigkeiten mit schnellen Entscheidungen – diese Eigenschaften zeichnen einen guten Chirurgen aus.

Prof. Dr. Werner Hartwig

Prof. Dr. Werner Hartwig | © Wolf

Kaum ein anderer Facharzt ist in der Bevölkerung so anerkannt, wie der Chirurg. „Als Chirurg genießt man ein hohes Vertrauen seitens des Patienten. Für viele ist der Chirurg auch heute noch der Halbgott in Weiß“, sagte Prof. Dr. Werner Hartwig bei Operation Karriere in München. Er ist Leitender Oberarzt an der Klinik für Allgemeine, Viszeral- , Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie der LMU München.

Was auch daran liegt, dass der Chirurg unmittelbaren Erfolg, bestensfalls eine Heilung, vorweisen kann. Chirurg ist ein Beruf mit hoher Verantwortung, in dem man sich schnell entscheiden können muss.

Hohe Arbeitssicherheit für künftige Chirurgen

Die beruflichen Aussichten sind auch für diesen Facharzt rosig, Chirurgen erwartet ein sicherer Arbeitsplatz: „Rund die Hälfte der niedergelassenen Chirurgen und circa ein Drittel der Krankenhauschirurgen werden bis 2020 in Ruhestand gehen“, gab Hartwig einen Ausblick. 10 bis 12 Prozent der Medizinstudierenden könnten Chirurg oder Chirurgin werden.

Wer diesen Beruf ergreifen will, sollte neben einem umfangreichen Fachwissen und einer guten Geschicklichkeit bzw. operativen Fähigkeiten auch Teamgeist mitbringen. Engagement und Ausdauer, genauso wie Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit gehören zum Handwerkszeug für einen Chirurgen. Empathie für die Patienten ist ebenso wichtig.

Künftig könnte die robotergestützte Chirurgie immer wichtiger werden, bereits ca. 80 sogenannte DaVinci-Roboter sind deutschlandweit im Einsatz. Hartwig stellte Daten vor, denen zufolge Chirurgen die robotergestützte Chirurgie besonders schnell erlernen, wenn sie im Umgang mit Spielkonsolen wie der Wii geübt sind.

Common Trunk in der Chirurgie

In den ersten zwei Jahren der Weiterbildung, dem "Common Trunk", werden basischirurgische Grundlagen vermittelt: Es werden akute Notfälle erkannt und behandelt, einschließlich lebensrettender Maßnahmen. Chirurgische Erkrankungen und Verletzungen werden klassifiziert und diagnostiziert sowie Prinzipien der perioperativen Diagnostik und Therapie behandelt.

Es erfolgen erste ambulante chirurgische Eingriffe, Assistenzen und angeleitete Operationen. Behandlungs- und Untersuchungsverfahren wie Sonografien, Punktions- und Katheterisierungstechniken sowie enterale und parenterale Ernährung werden erlernt. Lokal- und Regionalanästhesien sowie die Indikationsstellung und Überwachung physikalischer Therapiemaßnahmen gehören zum umfangreichen Grundlagenrepertoire. An die zweijährige Basisausbildung schließt sich eine vierjährige Spezialisierung an.

Quelle: Operation Karriere Kongress 2016 München; Vortrag "Chirurg werden - kein Durchschnittsjob"; Prof. Dr. med. Werner Hartwig, Leitender Oberarzt, Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, Campus Großhadern.

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