Blog: Vom Arztdasein in Amerika – Die Verwandlung des Medizinalltages

Nachdem das Assistenzarztdasein in Frankreich und Deutschland ausprobiert wurde, ging Dr. Peter Niemann nach Amerika. Er schreibt über seine Ausbildung zum Internisten sowie der Zeit danach, aber auch über die Skurrilität eines Arztlebens in den USA. Dieses Mal über die Veränderungen im Gesundheitswesen seit der Präsidentschaftswahl von Donald Trump.

Dr. Peter Niemann Arzt in Amerika

Seit Donald Trump Präsident ist, spricht man in den USA anders über "Obamacare" | Pixabay

Seit der Republikaner Donald John Trump zum 45. Präsidenten der USA im November letzten Jahres gewählt wurde hat sich vieles in den USA verändert. Es gibt zu diesem Thema mittlerweile eine Unzahl an Artikeln, Radio- und Fernsehsendungen und auch schon erste Bücher werden veröffentlicht.

Die USA scheinen einen isolationistischen Weg einschlagen zu wollen, eine Renationa­lisierung auf diversen Gebieten anzustreben aber auch den Umgang mit vielen internationalen Instituten zu verändern. Mit diesem Politikwandel geht auch eine Verschiebung im medizinischen Bereich einher, so beobachte ich derzeit eine Neusetzung bestimmter Themen und Veränderung von Begriffen, in einigen Monaten könnte sich tatsächlich auch der Arbeitsalltag verändern. Einige mir ins Auge fallende Beispiele will ich dafür nennen.

Als der 44. Präsident der USA, Barack Hussein Obama, im Jahr 2009 eine große Reform des Gesundheitssystemes anstieß, wurde sie unter dem Namen „Patientenschutz- und bezahlbares Gesundheitsgesetz“ („Patient Protection and Affordable Care Act“) offiziell im März 2010 als Gesetz erlassen. Aus diesem Namen leitete sich dann die Bezeichnung „bezahlbares Gesundheitsgesetz“ („Affordable Care Act“, kurz „ACA“) ab mit dem wir Ärzte, aber auch Patienten, Krankenschwestern und Medien über die Veränderungen sprachen.

Nur ganz wenige Kritiker münzten einen anderen Begriff, das für englische Ohren abfällig klingende Wort „Obamacare“, und wer vor der Wahl von Donald Trump öffentlich „Obamacare“ sagte machte damit eine politische Aussage bei der er sich eindeutig als konservativer oder rechter Republikaner, zumindest aber stark gegen Präsident Obama kennzeichnete.

Exklusiv bloggt Falk Stirkat für Operation Karriere. Er erzählt über seinen spannenden Alltag als Notarzt und sagt, warum es vorteilhaft ist Arzt zu sein. Ab sofort diskutiert er in einer neuen Blog-Reihe die US-amerikanische Arztserie „The Knick".

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Doch seit Donald Trump die Präsidentschaft gewonnen hat, wurde der Begriff „bezahlbares Gesundheitsgesetz“, also „Affordable Care Act“, sehr schnell zu den Akten gelegt und mittlerweile wird fast ausschließlich „Obamacare“ gesagt. Selbst sich als progressiv und eher links verortende Fernsehsender wie NBC oder CNN benutzen mittlerweile diesen für sie früheren Kampfbegriff. Mit anderen Worten, „Obamacare“ wird voraussichtlich abgeschafft werden und wird in der Mehrheit mittlerweile negativ gesehen, eine radikale Veränderung im Verlauf von nur wenigen Monaten.

Ähnlich ergeht es nicht nur bestimmten Begriffen sondern auch Themenschwerpunkten in der Medizin. Man spricht nun offen über die überhöhten Arzneimittelpreise oder über die finanziellen Schwierigkeiten, so viele früher nicht versicherte Bürger nun versichern zu müssen und auch darüber, welche negativen Konsequenzen das für alle hat. Weiterhin werden die Missstände im Veteranengesundheitssystem zu einem derart hohen Maße selbst innerhalb des Systemes thematisiert, wie ich es von früher her nicht kenne – meiner Meinung nach alles Folgen der Kandidatur und des Sieges von Donald Trump.

Der sprachliche Alltag hat sich für uns Ärzte verschoben, fast alle von uns erwarten deutliche Veränderungen im Gesundheitssystem. Einige von uns blicken diesen hoffend, andere bangend entgegen, spannend ist es allemal wie ein politischer Sieg tatsächlich den Alltag derart schnell und deutlich verändern kann. 


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