Allgemeinmedizin: Einzelpraxis nicht out - Networking wichtig

Dr. med. Dagmar Schneider, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin der Bayerischen Landesärztekammer in München, findet: „die Einzelpraxis ist nicht out“. Auf dem Operation Karriere-Kongress in der bayerischen Landeshauptstadt informierte sie über die Vorzüge der Niederlassung.

Dr. med. Dagmar Schneider | Foto: OPK

Als Allgemeinarzt zu arbeiten ist ein sehr vielseitiger Beruf, der abwechslungsreich und anspruchsvoll ist. „Jeder Patient hat einen anderen Hintergrund und wir müssen uns auf jeden neu einstellen. Im Hinterkopf muss bei uns immer mitlaufen, welche gefährlichen Verläufe dahinter stecken könnten. Wenn ich nicht sofort handeln muss, kann ich mit dem Patienten aushandeln, wie wir vorgehen“, sagte Schneider.

„Die Einzelpraxis ist nicht out“ - Dr. med. Dagmar Schneider

Als Allgemeinarzt muss man in der Lage sein, die zehn Schwerkranken unter 100 Kranken herauszufiltern. „Wir müssen Entscheidungen treffen: weise ich jemanden ein oder nicht? Und ich muss diese Entscheidung auch tragen. Dabei müssen wir eine Restunsicherheit aushalten“, sagte sie. Die Kommunikation mit dem Patienten, dessen familiären Hintergrund man meist kennt, sei ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg der Therapie.

Bis 2025 werden viele Praxen frei

Dass die Einzelpraxis out ist, glaubt sie nicht: „Hausärzte werden gebraucht, 90 Prozent aller Bundesbürger haben einen Hausarzt und schätzen ihn sehr.“ Die Zukunftsaussichten sind hervorragend. Das heutige Durchschnittsalter der Hausärzte liegt bei 54 Jahren, bis 2025 werden viele Praxen frei. Die Arbeit als Hausarzt ist auch lukrativ: 115.000 Euro pro Jahr nach Abzug aller Kosten und Gehälter verdient man demnach in diesem Beruf.

Mit einem weiteren Vorurteil räumte Schneider ebenfalls auf. „Einzelpraxis heißt nicht Einzelkämpfer, wir haben immer eine Vernetzung.“ So bestehen enge Kontakte zu Spezialisten, in die Palliativmedizin, zu Altersheimen und zur Physio- und Ergotherapie.

Rotationsplan: Weiterbildung Allgemeinarzt

Ein sinnvoller Weiterbildungsplan kann laut Schneider so aussehen: Von den ersten 36 Monaten entfallen 18 Monate auf die Innere Medizin und 6 Monate auf die Intensivmedizin. Hinzu kommt ein Jahr, in dem man Einblicke in die Fremdgebiete Kinder und Jugendmedizin (6 Monate) und Psychosomatische Medizin (6 Monate) erhält. In den letzten 24 Monaten werden 6 Monate im Bereich der Allgemeinen Chirurgie absolviert und weitere 18 Monate in der ambulanten hausärztlichen Versorgung.

Eine Verbundweiterbildung bietet viele Vorteile: So besteht eine Planungssicherheit für die gesamte fünfjährige Weiterbildungszeit und die Weiterbildungsstätten stehen von Anfang an fest, so dass kein Wohnortwechsel und keine Pausen anfallen. Nicht zu vernachlässigen sei zudem eine tarifgerechte Vergütung.

Operation Karriere, 20.06.2015, München. „Gut vernetzt – Weiterbildung Allgemeinmedizin“. Dr. med Dagmar Schneider, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin, Bayerische Landesärztekammer, München; Foto: OPK