Der Start als Arzt – Was Assistenzärzte in der Klinik erwartet

Was junge Mediziner bei der Assistenzarzt-Weiterbildung erwartet, skizzierte Prof. Dr. Jens Werner beim diesjährigen Operation Karriere-Kongress in der bayerischen Landeshauptstadt.

Prof. Dr. Jens Werner

Prof. Jens Werner sprach in München über den Berufsstart junger Ärzte an der Klinik. | Klaus D. Wolf

Prof. Werner, selbst Chirurg an der Uniklinik, betonte zu Beginn seines Impulsvortrags, mit dem er den Kongress eröffnete, dass ein angehender Assistenzarzt sich nicht nur für einen Fachbereich, sondern damit automatisch auch für einen bestimmten Typ Mensch entscheidet, mit dem er in Zukunft zusammenarbeiten wird. "Sie verbringen mit diesen Menschen viel Zeit, Ihre Peer-Group bewertet Sie und hat somit auch Einfluss auf Ihr Fortkommen", sagte Werner. Daher müsse man genau überlegen, welcher Fachbereich zu einem passt. Die Klinik biete jedenfalls die breiteste medizinische Ausbildung, zu Beginn stünden die Fragen: "Was will ich erreichen? Wo will ich hin?"

Als ausgebildeter Mediziner könne man "alles" werden - Arzt, Journalist, Qualitätsmanager, Forscher, Lehrer und vieles mehr. Trotzdem legte Werner jedem nahe, zunächst an der Klinik Praxis als Arzt zu sammeln: "Das ärztliche Wissen ist unheimlich wertvoll". Danach könne man immer noch entscheiden, ob man sich umorientieren möchte. Bleibt es beim Berufswunsch Arzt, müsse man sich entscheiden, ob man ein Allrounder wird, oder sich einer (Sub-)Disziplin ganz verschreiben möchte. Je spezieller das Gebiet, desto naheliegender ist auch eine Forschungstätigkeit. "Wollen Sie forschend tätig sein, ist ein großes Haus die beste Wahl. Die Forschung steht für die Weiterentwicklung eines Bereichs – ohne sie kann das Klinikum nicht wettbewerbsfähig sein."

Die Stufen der Karriereleiter

Ein weiterer Aspekt ist die Position, die man einmal bekleiden möchte. Man solle sich bevor es losgeht klarmachen, ob man einmal Oberarzt, Bereichsleiter, Chefarzt werden möchte, oder etwa in die Niederlassung geht. Wer den Wunsch hat, Teilzeit zu arbeiten, sollte sich eher auf größere Häuser konzentrieren. Dort würden die Arbeiten, die dann aufgrund der reduzierten Stundenzahl liegenbleiben, auf mehrere Schultern verteilt.

Die Tätigkeit an der Klinik zeichne sich vor allem auch durch das Arbeiten in einem großen Team aus, Interdisziplinarität ist an der Tagesordnung. "Nur so könne Sie einem Patienten wirklich helfen. Durch interdisziplinäres Arbeiten lernen Sie unheimlich viel", sagte Werner.

Aller Anfang ist...?

Wie sehen die ersten Tage an der Klinik aus? Orientierungshilfen seien meistens vorhanden, häufig sogar Mentorenprogramme – dies sei vor allem bei Diensten und Notfällen sehr wichtig. Im Fokus des Arztes in Weiterbildung stünden natürlich die Inhalte seiner Ausbildung. Daher müsse man sich frühzeitig informieren, ob es an der Klinik, wo man arbeiten möchte, eine strukturierte Weiterbildung gibt, und ob die Weiterbildungsbefugnis des Weiterbilders aktuell und gültig ist. "Wenn es keinen guten Plan gibt, wird man willkürlich eingesetzt und das ist nicht der Sinn der Sache", erklärte Werner.

Über sein eigenes Gebiet, die Chirurgie, sagte Werner, dass man definitiv Spaß an anspruchsvoller, manueller Arbeit haben müsse. "In der Chirurgie erhält man direkt eine Rückmeldung, ob das, was man sich als Therapiestrategie überlegt hat, der richtige Weg war oder nicht. Das kann befriedigender sein, als eine langwierige konservative Therapie", sagte Werner.

Zusammenfassend befand Werner, dass die Arbeit als Arzt an der Klinik beste Karrierechancen bietet. Exzellenz-Universitäten böten eine optimale Infrastruktur, sowohl was die interdisziplinäre und internationale Arbeitsteilung angehe, als auch bezüglich modernster Technik und Behandlungsstrategien.

Quelle: Prof. Dr. med. Jens Werner, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie, Klinikum der Universität München. Impulsvortrag "Der Start als Arzt - Was Assistenzärzte in der Klinik erwartet" beim Operation Karriere-Kongress in München am 20. Mai 2017.