Blog: Vom Arztdasein in Amerika – Aktive Abwerbeversuche

Dr. Peter Niemann schreibt über seine Ausbildung zum Internisten sowie der Zeit danach, aber auch über die Skurrilität eines Arztlebens in den USA. Dieses Mal berichtet er von einem Kollegen, der mit einem neuen Jobangebot um die Ecke kommt.

Arzt in Amerika

"Derzeit ist vieles im Fluss in den USA und neue Möglichkeiten tun sich überall auf." | Pixabay

Es ist meine erste Arbeitswoche in einem Krankenhaus in Bismarck und vieles ist neu für mich. Zum Glück sind die Krankheiten, die Therapien und die Medikamente alle dieselben, denn sonst würde ich die Neuartigkeit wohl als überfordernd ansehen. Auch der Dialekt des Mittleren Westens, der manchmal als nordzentrales Amerikanisch bezeichnet wird, ist derart stark ausgeprägt in Bismarck, dass ich manchmal nachhaken muss, weil ich ein Wort oder eine Redewendung nicht genau verstanden habe.

Allmählich lerne ich auch meine ärztlichen Kollegen kennen. Wie in jedem der von mir bisher besuchten Krankenhäuser der USA finde ich eine Mischung aus älteren einheimischen (also weißen) amerikanischen wie auch eher jüngeren ausländischen und hier vor allem indischen und arabischen Ärzten vor. Am Rande sei bemerkt, dass man europäische Ärzte eher in größeren Städten und an den Küsten, Latinos im Süden antrifft.

Es geht um Football, Kinder, Autos, Häuser, Steuern und Geldanlagen 

Natürlich verstehe ich mich mit diesen Ärzten auf Anhieb gut, und es wird neben der Arbeit vor allem über Football, die eigenen Kinder, sein Auto, Haus, Steuern und Geldanlagen geredet – in dieser Reihenfolge.

Auch hier treffe ich auf Ärzte, die ihre eigene (ärztliche) Firma aufgemacht haben und Personal für diese suchen. Entsprechend bin ich nach wenigen Tagen schon mit einem Kollegen intensiv im Gespräch, erläutere ihm meinen Lebenslauf und er im Gegenzug sein Geschäftsmodell. Er macht mir ein Arbeitsangebot und will, dass ich ihm in einem anderen Krankenhaus auf Tagesbasis aushelfe. Er erklärt mir dann eingehend, wieso sein Arbeitsmodell hervorragend sei, wieso ich Glück habe und er mir die letzte noch freie Stelle anbiete und warum sein Angebot ein einmaliges sei. Tatsächlich ist es kein schlechtes, aber es gilt natürlich auch bei ihm, dass nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Mir gefällt gerade deshalb das Arbeiten in mir unbekannten Krankenhäusern, weil ich dann von neuen Arbeitsmöglichkeiten erfahre. Denn derzeit ist vieles im Fluss in den USA und neue Möglichkeiten tun sich überall auf. Woher kommt das? Liegt das an der Geschäfts­freudigkeit der Amerikaner? Daran, dass das Gesundheitswesen in der Krise ist und sich dauernd Dinge ändern? Oder einfach nur am Arztmangel?

Alle Blog-Beiträge von Dr. Peter Niemann "Vom Arztdasein in Amerika" können hier nachgelesen werden.

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