Berufsbild Chirurg: Weiterbildung Kinderchirurgie

In dieser Serie stellen wir die verschiedenen Weiterbildungsmöglichkeiten in der Chirurgie vor. Welche Fertigkeiten werden erlernt, wie lange dauert die Spezialisierung und welche Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind Gegenstand der Weiterbildung? Teil 4: Kinderchirurgie.

Teil 4: Kinderchirurgie

Teil 4 unserer Serie Berufsbild Chirurg: Kinderchirurgie | Foto: Koszivu/Fotolia.com

Den besonderen Reiz der Kinderchirurgie macht das breite Spektrum aus, denn der Kinderchirurg ist für seine kleinen Patienten gleichzeitig Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und plastischer Chirurg. Zur Erfüllung seiner Aufgaben benötigt er Kenntnisse über alle bildgebenden sowie innovativen Verfahren wie endoskopische, laparoskopische und minimal-invasive Verfahren. Im Laufe der Weiterbildung ist ein Jahr Erfahrung in der Pädiatrie verpflichtend.

Auf der Homepage des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen (BDC) erklären Ärzte, warum sie sich für ihr Fachgebiet entschieden haben. Hier geht es zur Kinderchirurgie.

Kinderchirurgie: Fakten zur Weiterbildung

Die Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Kinderchirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte, davon

  • 24 Monate Basisweiterbildung im Gebiet Chirurgie
  • 48 Monate Weiterbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie (davon 12 Monate in Kinder- und Jugendmedizin: hier können 6 Monate in der intensivmedizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen abgeleistet werden; 6 Monate können in einer anderen Facharztweiterbildung des Gebietes Chirurgie oder in Anästhesiologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurochirurgie, Radiologie oder Urologie sowie Handchirurgie angerechnet werden, außerdem können bis 12 Monate im ambulanten Bereich abgeleistet werden.)

Werden im Gebiet Chirurgie zwei Facharztkompetenzen erworben, so beträgt die gesamte Weiterbildungszeit mindestens neun Jahre.

Die Inhalte der Weiterbildung

Die Weiterbildung Kinderchirurgie sieht den Erwerb von Kenntnissen, Erfahrungen und Fertigkeiten in

  • der Vorbeugung, Erkennung, operativen und konservativen Behandlung, Nachsorge und Rehabilitation von Fehlbildungen, Erkrankungen, Infektionen, Organtumoren, Verletzungen, Verbrennungen sowie deren Folgen im Kindesalter einschließlich pränataler Entwicklungsstörungen
  • den instrumentellen und funktionellen Untersuchungsmethoden
  • der Erhebung einer intraoperativen radiologischen Befundkontrolle unter Berücksichtigung des Strahlenschutzes
  • den endoskopischen, laparoskopischen, minimal-invasiven, mikrochirurgischen Operationsverfahren und Laser-Techniken
  • der Behandlung von Schwer- und Mehrfachverletzten einschließlich des Trauma-Managements der Überwachung
  • der konservativen und operativen Frakturversorgung einschließlich gelenknaher Frakturen und Gelenkverletzungen sowie plastisch-rekonstruktiver Techniken
  • der enteralen und parenteralen Ernährung insbesondere nach Operationen, auch bei Früh- und Neugeborenen
  • den Grundlagen der Durchgangsarzt- und Verletzungsartenverfahren der gewerblichen Berufsgenossenschaften

vor.

Die definierten Untersuchungs- und Behandlungsverfahren sind

  • Repositionen von Frakturen und Luxationen sowie Versorgung von Weichteil- und Organverletzungen
  • operative Eingriffe einschließlich endoskopischer, minimal-invasiver, mikrochirurgischer und Laser-Techniken an Kopf und Hals[1], an Brustwand und Brusthöhle[2], an Bauchwand, Bauchhöhle und Retroperitoneum[3], am Urogenitaltrakt[4], am Gefäß-, Nerven- und Lymphsystem[5], am Stütz- und Bewegungssystem[6] und bei plastische-rekonstruktiven Eingriffen[7].

[1] z.B. Trepanationen, ventrikuläre Liquorableitungen, Osteoplastik bei Craniostenose, Tracheotomien, Thyreoidektomien, Korrektur von Kiemengangsanomalien, ösophagotracheale Fisteln, Verletzungen und muskulärer Schiefhals, Tumorresektion

[2] z.B. Korrekturen von Fehlbildungen, Erkrankungen und Verletzungen der Brustwand, der Brusthöhle, des Mediastinums, des Tracheobronchialsystems, der Lungen und des Oesophagus, Resektion äußerer, mediastinaler und pulmonaler Tumoren

[3] z. B. Korrektur von Fehlbildungen, operative Therapie von Organverletzungen äußerer und innerer Hernien, bei Funktionsstörungen und entzündlichen Erkrankungen, intestinale Resektionen einschließlich Tumorresektionen

[4] z. B. Korrektur von Fehlbildungen der Nieren, ableitenden Harnwege und des inneren und äußeren Genitale einschließlich Verletzungen, Tumorresektionen

[5] z. B. bei Fehlbildungen einschließlich Dysraphien, Verletzungen und Tumoren, Anlage von Shunts, Port-Implantationen

[6] z. B. bei Frakturen, Luxationen und Weichteilverletzungen einschließlich deren Folgen, Weichteil-, Knochen- und Gelenkinfektionen, Tumoren

[7] z. B. bei Fehlbildungen, kongenitalen Defekten und Defektverletzungen an Kopf, Hals, Brustwand, Rumpf und Extremitäten und Zwerchfellplastiken, Haut-, Muskel-, Sehnen- und Knorpelplastiken

Quellen: Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC), www.chirurg-werden.de und Musterweiterbildungsordnung 2013 der Bundesärztekammer