Überblick: Weiterbildung Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Wie wird man Fachärztin oder Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie? Hier sind alle Inhalte der Weiterbildungsordnung gelistet.

Plastische und Ästhetische Chirurgie

Die Lidstraffung ist der am häufigsten durchgeführte rekonstruktive Eingriff in Deutschland.

Die Hauptaufgaben der Plastischen Chirurgie liegen in der Wiederherstellung und Verbesserung von erworbenen oder angeborenen Defekten, in der Versorgung von Brandverletzungen sowie in der Strukturwiederherstellung der Muskulatur und Haut nach Verletzungen und Operationen. Auch die Handchirurgie ist fächerübergreifend mit der Unfallchirurgie/Orthopädie Teil der Plastischen Chirurgie. Die ästhetische Chirurgie umfasst Eingriffe, die nicht medizinisch indiziert sind, sondern einzig im dem Wunsch des Patienten begründet sind.

Wie alle anderen werdenden Chirurgen absolvieren auch Assistenzärztinnen und Assistenzärzte für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie zunächst eine zweijährige basischirurgische Weiterbildung, den sogenannten Common Trunk. Hier geht es mehr um das Erlernen von Grundlagen, wie das Management von Patienten auf einer chirurgischen Station, und weniger um das operative Handwerk. Dafür verbringt man in den folgenden vier Jahren, dem sogenannten Special Trunk, viel Zeit am OP-Tisch. Die Weiterbildung endet nach mindestens sechs Jahren mit der Facharztprüfung, die mündlich abgehalten und von der zuständigen Landesärztekammer abgenommen wird. 

Uniklinik vs. Versorgungskrankenhaus

Sowohl in einem Universitätsklinikum, als auch in einem Krankenhaus der Maximal-, Schwerpunkt- sowie Grund- und Regelversorgung ist eine Weiterbildung als Chirurg oder Chirurgin möglich. Bevor man sich für ein bestimmtes Haus entscheidet, sollte man sich selbst die Frage stellen, ob man eher an einer theoretischen/wissenschaftlichen oder praktischen/klinischen Tätigkeit interessiert ist. Allerdings gilt: Ein Wechsel ist immer möglich. Stellt man zum Beispiel während der Zeit an einem Versorgungskrankenhaus fest, dass einem die Wissenschaftlichkeit fehlt, so sucht man sich einfach eine chirurgische Uniklinik. 

Und wie ist das mit dem praktischen Nachweis? Laut Weiterbildungsordnungen gibt es lediglich vorgeschriebene Mindestmengen an selbstständig durchzuführenden Operationen. Wann, welche Operationen durchgeführt werden sollen, ist nicht festgelegt. Deshalb empfiehlt es sich kontinuierlich in den Dialog mit dem Chefarzt/der Chefärztin zu treten und das praktische Arbeiten einzufordern. Als Argumentationshilfe kann das Logbuch dienen, denn hier müssen bis zur Facharztprüfung alle Eingriffe dokumentiert sein.  

Dauer der Weiterbildung

Die Weiterbildungszeit in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie beträgt 72 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten in einer Weiterbildungsstätte, davon

  • müssen 48 Monate in Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Notfallaufnahme abgeleistet werden
  • müssen 6 Monate in der Intensivmedizin abgeleistet werden
  • können zum Kompetenzerwerb bis zu 12 Monate Weiterbildung in anderen Gebieten erfolgen

Inhalte der Weiterbildung

Übergreifende Inhalte

  • Wesentliche Gesetze, Verordnungen und Richtlinien
  • Chirurgische Techniken und Instrumentengebrauch, insbesondere Inzision, Präparation, Retraktion, Naht- und Knotentechniken einschließlich Laseranwendung unter Berücksichtigung der verschiedenen Gewebestrukturen
  • Chirurgische perioperative Behandlung einschließlich Vorbereitung, Lagerungstechniken, Nachsorge und Komplikationsmanagement sowie Indikationsstellung zu weiterführenden Maßnahmen
  • Techniken der temporären Ruhigstellung und Fixationsverbände
  • Prophylaxe, Diagnostik und Therapie von Thrombosen
  • Wundheilung und Narbenbildung
  • Wundmanagement und stadiengerechte Wundtherapie sowie Verbandslehre einschließlich verschiedene Wundauflagen, Unterdruck- und Kompressionstherapie
  • Defektdeckung bei akuten und chronischen Wunden
  • Grundlagen der medikamentösen Tumortherapie
  • Basisbehandlung palliativmedizinisch zu versorgender Patienten
  • Scoresysteme und Risikoeinschätzung

Lokalanästhesie und Schmerztherapie

  • Lokal- und Regionalanästhesien
  • Abklärung peri- und postoperativer Schmerzzustände
  • Diagnostik und Therapie nach dokumentierten Schmerztherapieplänen
  • Behandlung von Patienten mit komplexen Schmerzzuständen
  • Injektionen und Punktionen

Notfall- und Intensivmedizin

  • Erkennung und Behandlung akuter Notfälle einschließlich lebensrettender Maßnahmen
  • Kardiopulmonale Reanimation
  • Pathophysiologie von schweren Verletzungen, des Polytraumas und deren Folgen
  • Indikationsstellung zur Notfall-Laparotomie und Thorakotomie
  • Überwachung, Monitoring, Dokumentation und Betreuung von intensivmedizinischen Patienten
  • Differenzierte Beatmungstechniken
  • Atemunterstützende Maßnahmen bei intubierten und nicht-intubierten Patienten
  • Beatmungsentwöhnung bei langzeitbeatmeten Patienten
  • Mitbehandlung bei septischen Krankheitsbildern
  • Pharmakologie der Herz-Kreislauf-Unterstützung
  • Infusions-, Transfusions- und Blutersatztherapie, enterale und parenterale Ernährung
  • Zentralvenöse Zugänge (Richtzahl: 20)
  • Arterielle Kanülierung und Punktionen
  • Thorax-Drainage
  • Legen eines transurethralen und/oder suprapubischen Katheters

Die Richtlinien der Weiterbildungsordnung können ganz schön verwirrend sein. Wie lange dauert die jeweilige Weiterbildung? Welche Inhalte gibt es? Welche Anlaufstellen kann man bei Fragen kontaktieren? Alle Antworten findest du hier.