Assistenzarzt-Blog: Arbeitsbedingungen als Facharzt in Dänemark

Nach ihrem Medizinstudium in Deutschland zog es Katja Kilb nach Dänemark, um dort ihre fachärztliche Weiterbildung zu machen. Auf Operation Karriere berichtet sie von ihren Erfahrungen als angehende Anästhesistin.

Katja Kilb

Bloggerin und Assistenzärztin Katja Kilb

Die Arbeitsbedingungen für einen Assistenzarzt sind in Dänemark aus deutscher Sicht ein Traum. 37 Stunden - reelle 37 Stunden - in der Woche, kein Abzug von Pausen, obwohl sie mir natürlich zustehen und ich sie auch meistens nehme. Bei den Nachtdienste wird jede Stunde zu 100 Prozent als Arbeitsstunde vergütet, selbst wenn ich schlafe, so wie damals als ich noch Rettungsassistentin war. Was für ein großes Glück es ist, dass ich mich in Dänemark überhaupt weiterbilden kann, versteht man nur, wenn man deren Weiterbildungsordnung ein wenig kennt. Die Facharztausbildung wird in Dänemark zentral bzw. regional vergeben. Es gibt in Dänemark drei große Regionen, die für die Weiterbildung zuständig sind. Die Regionen vergeben zwei Mal im Jahr ihre Stellen mit festgelegten Rotationen:

  • Region Ost: Seeland inkl. Kopenhagen: 12 Stellen
  • Region Süddänemark für die Insel Fünen und den Süden Jüttlands also des Festlandes: 6 Stellen
  • Region Norddänemark für Nordjüttland: 10 Stellen

Die Stellen der Anästhesie sind sehr begehrt. Denn wer in Dänemark notfallmedizinisch arbeiten will, muss Anästhesist werden. Abgesehen von der großen Diskussion, die gerade im Gange ist, da ein neuer Facharzt in Notfallmedizin etabliert werden soll. Dieser soll aber hauptsächlich als Allrounder in der Notaufnahme fungieren, quasi ein skandinavischer Mark Green. Allerdings sind alle NEFs ausschließlich mit Fachärzten der Anästhesie besetzt. Und auch Intensivstationen werden, bis auf sehr wenige Ausnahmen, ausschließlich von Anästhesisten betrieben. Man könnte sich aus deutscher Sicht fragen, wie man bei solch einem Arbeitsaufkommen mit 56 neuen Anästhesisten pro Jahr auskommt. Ja, Dänemark ist nicht sehr groß, insgesamt leben hier fast 6 Mio. Menschen, da ist Grönland schon inklusive, aber trotzdem wären 56 neue Anästhesisten pro Jahr sogar für Dänemark zu wenig. Jedenfalls, wenn Operationen in Dänemark genauso abliefen wie in Deutschland. Die Anästhesie in Dänemark wäre nichts ohne ihre Anästhesieschwestern und -pfleger. Die sind nämlich jene, welche während der OP beim Patienten bleiben und ihn oder sie betreuen, während die Ärzte 2-3 Säle betreuen oder anderen Aufgaben nachgehen, z.B. Prämediaktionsvisite machen oder akute Aufgaben erledigen, wie die Patientenaufnahme im Schockraum, Rea-Pipser etc. Das war wirklich ein merkwürdiges Gefühl, als ich damals hier anfing und nach der Einleitung den Saal verließ. Allerdings gewöhnt man sich erstaunlich schnell daran. 

Ein Einführungsjahr ist Grundvoraussetzung für eine Facharztweiterbildung in Dänemark

Grundvoraussetzung für eine Facharztweiterbildung ist ein Introduktions- oder Einführungsjahr in der Anästhesie. Ein solches Jahr dient der Einführung in ein Fachgebiet und ist dazu da, grundlegende Kompetenzen zu erlangen und in das Fach reinzuschnuppern. Jede Facharztrichtung hat so ein Einführungsjahr als Grundvoraussetzung für die Bewerbung zur Facharztausbildung. Dennoch reicht das nicht aus, um eine der begehrten Stellen zu bekommen. Es braucht weitere Kompetenzen. Sieben ist die magische Zahl. Denn der Arztberuf wird in Dänemark in sieben Rollen/Schwerpunkte eingeteilt, die es möglichst gleichmäßig zu erfüllen gilt. Ein Arzt soll z.B. nicht nur ein guter medizinischer Experte sein, er soll auch gut kommunizieren können und ein guter Teamplayer sein.

Überwachung auf der Intensivstation

Wenn man sich für eine Facharzt-Weiterbildung entscheiden muss, gibt es viele Möglichkeiten. In der Serie "Überblick" stellen wir die einzelnen Fachgebiete und ihre Weiterbildungsmodalitäten vor. Dieses Mal im Fokus: die Anästhesie.

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Nur wer also in allen sieben Rollen ausreichende Kompetenzen erworben hat, wird überhaupt zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Dies wird mit einem ganzen Komitee abgehalten. Alle ausbildungsverantwortlichen Oberärzte und einige Vertreter der Region und der Ärztevereinigung sind dabei anwesend. Wer eingeladen wurde, darf auf eine der begehrten Stellen hoffen und muss zudem hoffen eine Stelle in der Nähe zu bekommen, denn das Gremium bestimmt, wo es hingeht. Wer das alles nicht innerhalb der ersten vier Jahre nach dem PJ schafft, hat leider zur Zeit keine Möglichkeit mehr einen Facharzt zu machen. Auch als Ausländer unterliegt man dieser 4-Jahres-Regel. Ab dem Zeitpunkt des Erhalts der dänischen Autorisation hat man vier Jahre Zeit, um eine Facharztausbildung zu erlangen. Man kann jedoch in Einzelfällen Zeiten für den Sprachunterricht gut geschrieben bekommen, dann wenn er z.B. im Blockmodul absolviert wurde. Die 4-Jahres-Regel ist hier sehr umstritten und wird gerade auf vielen Ebenen politisch diskutiert. Sie könnte demnächst ausgeweitet oder wieder ganz abgeschafft werden. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie habe ich es geschafft innerhalb der drei Jahre, die ich nun in Dänemark bin, mich ausreichend zu qualifizieren und habe beim großen Lotterie-Spiel auch noch den Hauptgewinn gezogen. Meine Facharztausbildung findet quasi vor der Haustüre statt. Abgesehen natürlich von den Kursen. Die werden national abgehalten. Der erste in Kopenhagen, die nächsten in Aalborg, Aarhus und Odense. Auf diese Weise sieht man das Land und lernt auch die Kollegen aus ganz Dänemark kennen.

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